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Soziale Arbeit in Gesellschaft

Teil der Lösung – Teil des Problems?

Edited By Bernhard Haupert, Susanne Maurer, Sigrid Schilling and Franz Schultheis

Die tief greifenden sozialen und ökonomischen Veränderungen der europäischen Gegenwartsgesellschaften werfen verstärkt die Frage nach der Rolle der Sozialen Arbeit «in» der Gesellschaft und dem Verhältnis Sozialer Arbeit «zu» Gesellschaft auf. Dabei gilt es zu fragen, wie Soziale Arbeit disziplinär, professionell und institutionell auf die aktuellen gesellschaftlichen Prozesse reagiert, wie sie den vorherrschenden politischen und ökonomischen Diskursen begegnet und was sie ihnen womöglich auch entgegnet.
Auf welches gesellschaftstheoretische, professionstheoretische und berufsethische Fundament kann und will sich Soziale Arbeit im «neoliberalen» Zeitalter beziehen? Diese Frage wird in den Beiträgen dieses Buches vielfältig reflektiert.

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FRANZ SCHULTHEIS Gesellschaft mit begrenzter Haftung: Sozialer Wandel aus dem Blickwinkel einer Gesellschaftsdiagnose „von unten“ 11

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1 1 Gesellschaft mit begrenzter Haftung: Sozialer Wandel aus dem Blickwinkel einer Gesellschaftdiagnose „von unten“ FRANZ SCHULTHEIS Die modernen Sozialwissenschaften haben eine ganze Sammlung an Etiketten für unsere aktuelle Gesellschaftsform entwickelt, von „postindustrieller“ bis „postmoderner“ Epoche, von „Risikogesell- schaft“ bis „Erlebnisgesellschaft“ oder „Multioptionsgesellschaft“, und man hat nur die Qual der Wahl, wenn man nach griffigen Kurzformeln für die Gegenwartsgesellschaft sucht. In einer kollek- tiven Forschungsarbeit von mehr als dreissig Soziologinnen und Soziologen, publiziert im Jahre 2006, entschied man sich für das Konzept „Gesellschaft mit begrenzter Haftung“ (Schultheis/Schulz, 2005), um rund fünfzig Tiefeninterviews mit Durchschnitts- bürgerinnen und -bürgern im gegenwärtigen Deutschland soziolo- gisch gerahmt zu präsentieren. Bei aller Unterschiedlichkeit der jeweiligen Menschen und Lebensschicksale kam in diesen Inter- views eine bestimmte kollektive Befindlichkeit zum Ausdruck, die man grob als Desorientierung oder auch Heimatlosigkeit beschrei- ben kann. Ziel dieser Zeitdiagnose war es, Menschen die sonst nicht gehört beziehungsweise beachtet werden, zu Wort kommen zu lassen, ihnen genau zuzuhören und als ihr Sprachrohr zu fungie- ren. In vielen dieser Gespräche kam ein Unbehagen an der Gegen- wartsgesellschaft, wenn nicht gar ein Leiden an ihren individuel- len Lebensverhältnissen zur Sprache, das nicht allein auf materielle Mangellagen zurückzuführen ist – selbst wenn Phänomene wie Armut und Prekarität in den heutigen postindustriellen Gesellschaf- ten immer deutlicher zutage treten –, sondern auch mit erfahrener Bindungslosigkeit, Isolation, Mangel an Solidarität und sozialem Zusammenhalt zu tun hat. 1 2 Franz Schultheis Eine zentrale Quelle...

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