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Soziale Arbeit in Gesellschaft

Teil der Lösung – Teil des Problems?

Edited By Bernhard Haupert, Susanne Maurer, Sigrid Schilling and Franz Schultheis

Die tief greifenden sozialen und ökonomischen Veränderungen der europäischen Gegenwartsgesellschaften werfen verstärkt die Frage nach der Rolle der Sozialen Arbeit «in» der Gesellschaft und dem Verhältnis Sozialer Arbeit «zu» Gesellschaft auf. Dabei gilt es zu fragen, wie Soziale Arbeit disziplinär, professionell und institutionell auf die aktuellen gesellschaftlichen Prozesse reagiert, wie sie den vorherrschenden politischen und ökonomischen Diskursen begegnet und was sie ihnen womöglich auch entgegnet.
Auf welches gesellschaftstheoretische, professionstheoretische und berufsethische Fundament kann und will sich Soziale Arbeit im «neoliberalen» Zeitalter beziehen? Diese Frage wird in den Beiträgen dieses Buches vielfältig reflektiert.

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KURT WYSS Wenn „Integrationsmassnahmen“ der Sozialhilfe ausgrenzen. Zur gesellschaftlichen Doppelfunktion von Workfare 33

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3 3 Wenn „Integrationsmassnahmen“ der Sozialhilfe ausgrenzen. Zur gesellschaftlichen Doppelfunktion von Workfare KURT WYSS Einleitung Im Jahr 2009 veröffentlichte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) eine Studie, die sich empirisch mit den Wirkungen von In- tegrationsmassnahmen der Sozialhilfe auseinandersetzt (Aeppli/ Ragni, 2009). Das zentrale Ergebnis der Studie, das im Herbst 2009 auch in den schweizerischen Medien breite Beachtung fand, ist bemerkenswert: Die vonseiten der Sozialämter verfügten soge- nannten Integrationsmassnahmen (Beschäftigungsprogramme, Schulungen, Beratungen et cetera) wirken sich auf die Betroffenen mehrheitlich nicht etwa positiv, sondern negativ aus. Diejenigen Sozialleistungsbezügerinnen und -bezüger, die eine „Massnahme“ durchlaufen, finden signifikant weniger häufig in den ersten Ar- beitsmarkt zurück als diejenigen, die keine „Massnahme“ durch- laufen. Dabei wurden in der Studie mögliche verzerrende Effekte – wie etwa, dass „Integrationsmassnahmen“ eher bei Personen mit schlechteren Integrationschancen angeordnet werden und die negativen Folgen sich damit erklären liessen – statistisch kontrol- liert und als Erklärung ausgeschlossen. Die kontraproduktiven und also ausgrenzenden Wirkungen von „Integrationsmassnahmen“ bleiben unabhängig davon bestehen, gegenüber wem sie verfügt werden. Aufgrund ihrer Ergebnisse gelangen die Autoren zum be- merkenswerten Schluss: „‚Keine Massnahme‘ zu verfügen ist in 3 4 Kurt Wyss vielen Fällen die deutlich wirkungsvollste Massnahme“ (Aeppli/ Ragni, 2009, 103). Das vom SECO publizierte empirische Ergebnis ist allerdings nicht neu. In internationalen Studien wurde immer wieder dar- auf hingewiesen, dass die ab den 1980er Jahren zuerst in den USA und Kanada sowie in der Folge in vielen europäischen Ländern...

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