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Soziale Arbeit in Gesellschaft

Teil der Lösung – Teil des Problems?

Bernhard Haupert, Susanne Maurer, Sigrid Schilling and Franz Schultheis

Die tief greifenden sozialen und ökonomischen Veränderungen der europäischen Gegenwartsgesellschaften werfen verstärkt die Frage nach der Rolle der Sozialen Arbeit «in» der Gesellschaft und dem Verhältnis Sozialer Arbeit «zu» Gesellschaft auf. Dabei gilt es zu fragen, wie Soziale Arbeit disziplinär, professionell und institutionell auf die aktuellen gesellschaftlichen Prozesse reagiert, wie sie den vorherrschenden politischen und ökonomischen Diskursen begegnet und was sie ihnen womöglich auch entgegnet.
Auf welches gesellschaftstheoretische, professionstheoretische und berufsethische Fundament kann und will sich Soziale Arbeit im «neoliberalen» Zeitalter beziehen? Diese Frage wird in den Beiträgen dieses Buches vielfältig reflektiert.

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CHRISTOPH BUTTERWEGGE Armut – eine zentrale Herausforderung der Sozialen Arbeit im reformierten Wohlfahrtsstaat 67

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6 7 Armut – eine zentrale Herausforderung der Sozialen Arbeit im reformierten Wohlfahrtsstaat CHRISTOPH BUTTERWEGGE Bedingt durch einen neoliberalen Modellvorstellungen folgenden „Umbau“ beziehungsweise Abbau des Sozialstaates (vgl. hierzu ausführlicher: Butterwegge, 2005) hält die Armut, in der sogenann- ten Dritten und Vierten Welt bereits seit jeher traurige Alltagsrea- lität, neuerdings auch verstärkt Einzug in reiche Länder wie die Schweiz oder die Bundesrepublik Deutschland, wo sie zumindest als Massenerscheinung früher weitgehend unbekannt war. Obwohl die Soziale Arbeit davon noch unmittelbarer betroffen ist als die breite Öffentlichkeit, zeigt sie daran bisher nicht viel mehr Interes- se als die Medien, und wenn, dann überwiegend im Zusammen- hang mit besonders spektakulären Ereignissen beziehungsweise tragischen Einzelschicksalen: dem Kältetod eines Obdachlosen, dem Verhungern eines Kleinkindes oder der Gründung eines Sozial- kaufhauses, einer Kleiderkammer der Wohlfahrtsverbände oder einer Suppenküche. Hier wird argumentiert, dass die Profession auf gesellschaft- liche Strukturveränderungen wie die Prekarisierung der Lohn- arbeit, die Pauperisierung grösserer Teile der Bevölkerung und die soziale Polarisierung im Finanzmarktkapitalismus der Gegen- wart offensiver reagieren und die neoliberalen Prinzipien, nach denen das ganze Land restrukturiert wird, ihrerseits problematisie- ren und überzeugend kritisieren muss, wenn sie nicht noch mehr in die Defensive geraten will. Das soziale Klima dürfte aufgrund härterer Verteilungskämpfe erheblich rauer werden, zumal sich die Anzeichen für eine „härtere Gangart“ gegenüber den Armen schon seit Langem mehren (vgl. Simon, 2001). In der Bundes- 6 8 republik scheint sich die gesellschaftliche Akzeptanz...

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