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Soziale Arbeit in Gesellschaft

Teil der Lösung – Teil des Problems?

Edited By Bernhard Haupert, Susanne Maurer, Sigrid Schilling and Franz Schultheis

Die tief greifenden sozialen und ökonomischen Veränderungen der europäischen Gegenwartsgesellschaften werfen verstärkt die Frage nach der Rolle der Sozialen Arbeit «in» der Gesellschaft und dem Verhältnis Sozialer Arbeit «zu» Gesellschaft auf. Dabei gilt es zu fragen, wie Soziale Arbeit disziplinär, professionell und institutionell auf die aktuellen gesellschaftlichen Prozesse reagiert, wie sie den vorherrschenden politischen und ökonomischen Diskursen begegnet und was sie ihnen womöglich auch entgegnet.
Auf welches gesellschaftstheoretische, professionstheoretische und berufsethische Fundament kann und will sich Soziale Arbeit im «neoliberalen» Zeitalter beziehen? Diese Frage wird in den Beiträgen dieses Buches vielfältig reflektiert.

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SUSANNE MAURER Soziale Arbeit als Regierungskunst? Zur Bedeutung einer machtanalytischen Perspektive in der Sozialen Arbeit 113

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113 Soziale Arbeit als Regierungskunst? Zur Bedeutung einer machtanalytischen Perspektive in der Sozialen Arbeit1 SUSANNE MAURER Dieser Beitrag geht aus von einem Unbehagen an hermetischen Positionen (auch in der Praxis der Kritik!) und versucht, eine Per- spektive der Kritik zu entwickeln und zu kultivieren, die elastisch bleibt – mit einem Blick für die vielschichtigen Wirklichkeiten und mehrdeutigen Wirksamkeiten von sozialen Politiken und Sozialer Arbeit, auf der Suche nach offenen Stellen und nach öffnenden Lesarten von Geschichte und Gegenwart unserer Gesellschaft, auf der Suche nach dem Widerspenstigen im Leben der Menschen. Michel Foucaults Analytik der Macht (vgl. Foucault, 2005) bie- tet dafür einen interessanten Bezugspunkt. Demnach ist Macht auch produktiv, sie begrenzt und ermöglicht zugleich. Niemand steht ‚außerhalb der Macht‘, denn alle sind (und alles ist) Teil der netzwerkförmigen Machtbeziehungen. Macht durchzieht also alle sozialen Bezüge, und nicht zuletzt das Körperinnere (vgl. Foucault, 1978). Herrschaft und Widerstand sind in dieser Vorstellung Teil desselben Machtgeschehens – eine nach wie vor provozierende Sichtweise, die in der Rezeption gelegentlich dazu führt, Macht aufgrund ihrer ‚Allgegenwart‘ als ‚total‘ zu denken. Eine solche Interpretation läuft allerdings dem foucaultschen Denken eher entgegen, das sich ja gerade durch eine kritische Haltung gegen- über gedanklichen Schließungen und Totalisierungen auszeichnet. Unterschiedliche sozialpädagogische Lesarten der Machtana- lytik Foucaults sind sicherlich auch von den jeweiligen zeitgenössi- 1 Einige der hier vorgestellten Überlegungen sind durch die Zusammenarbeit mit Fabian Kessl inspiriert. Vgl. Kessl, 2005; Kessl/Maurer, 2005. 114 schen Debatten beeinflusst. So ziehen Anfang...

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