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Soziale Arbeit in Gesellschaft

Teil der Lösung – Teil des Problems?

Edited By Bernhard Haupert, Susanne Maurer, Sigrid Schilling and Franz Schultheis

Die tief greifenden sozialen und ökonomischen Veränderungen der europäischen Gegenwartsgesellschaften werfen verstärkt die Frage nach der Rolle der Sozialen Arbeit «in» der Gesellschaft und dem Verhältnis Sozialer Arbeit «zu» Gesellschaft auf. Dabei gilt es zu fragen, wie Soziale Arbeit disziplinär, professionell und institutionell auf die aktuellen gesellschaftlichen Prozesse reagiert, wie sie den vorherrschenden politischen und ökonomischen Diskursen begegnet und was sie ihnen womöglich auch entgegnet.
Auf welches gesellschaftstheoretische, professionstheoretische und berufsethische Fundament kann und will sich Soziale Arbeit im «neoliberalen» Zeitalter beziehen? Diese Frage wird in den Beiträgen dieses Buches vielfältig reflektiert.

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BERNHARD HAUPERT Soziale Arbeit und Theorie Sozialer Probleme. Der Medea-Mythos und die Verantwortungslosigkeit der gesellschaftlichen Eliten 133

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Soziale Arbeit und Theorie Sozialer Probleme. Der Medea-Mythos und die Verantwortungslosigkeit der gesellschaftlichen Eliten1 BERNHARD HAUPERT Einleitung: Zur Theorie Sozialer Probleme allgemein Eine Theorie Sozialer Probleme ist in die klassische Problematik der Gerechtigkeit eingebettet, aber auch in diejenige der „Sozia- len Frage“ (vgl. Deppe, 1996, 218; Kunstreich, 1999, 135 f.), ur- sprünglich ein Thema des 19. Jahrhunderts. Letztere scheint abge- hakt und in den Geschichtsbüchern abgelegt – ist aber so aktuell wie nie im heutigen Zeitalter der ökonomischen Total-Globalisie- rung. Antwortmöglichkeiten auf die „Soziale Frage“ zu finden, bildet den Kern der Sozialen Arbeit, deren Zentraltopos das „gute Leben“, das „gelingende Leben“ in einer von der Idee der (sozia- len) Gerechtigkeit (vgl. Nussbaum, 1999) geprägten demokratischen Gesellschaft ist, das dem beschädigten Leben entgegenwirken soll. Nicht nur für Habermas stellen „Verarmung, Marginalisierung, langfristiger Ausschluss vom Arbeitsmarkt und die soziale Isola- tion beziehungsweise Segmentierung von ‚Überflüssigen‘“, die er „armselige Milieus am Rande des Existenzminimums“ (Haber- mas, 1998, 124) nennt, die entscheidende politische und wissen- schaftliche Herausforderung der kommenden Jahrzehnte dar. Bereits in den Anfängen der Sozialen Arbeit deutete sich dieses Thema an: „Die Ursprünge der Sozialpädagogik in der industriellen 1 Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete Version eines frühe- ren Beitrags: vgl. Haupert, 2002, 45–67. 134 Gesellschaft“, so heisst das mittlerweile zum Klassiker gewordene Erstlingswerk des Göttinger Pädagogen Klaus Mollenhauer aus dem Jahre 1959, in dem er die Entwicklungsgeschichte der „Sozialpäda- gogik“ im Kontext der sozialen...

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