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Über Gemütsregungen

Emotionen zwischen philosophischer Theorie und psychotherapeutischer Praxis

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Carlo Calanchini

Emotionen haben als menschliches Phänomen schon früh bei Philosophen und Dichtern grosses Interesse geweckt. Für manche Denker waren sie nur negativ, andere dagegen sahen sie als unentbehrlicher Bestandteil der menschlichen Seele. Seit der Antike versucht man, die primären Emotionen von abgeleiteten zu unterscheiden, um sie besser erforschen zu können. Jahrhundertelang galten Emotionen als der Vernunft entgegengesetzte, das logische Denken störende und aus den tiefsten und unreinsten Teilen der Seele hervortretende Kräfte. Der Autor betrachtet verschiedene Theorien über Emotionen sowohl aus einer geschichtlichen als auch aus einer moderneren wissenschaftlichen Perspektive. Darüber hinaus versucht er, Emotionen nicht nur im Lichte theoretischer Überlegungen zu sehen, sondern sie auch auf Grund seiner Erfahrungen als Arzt und Psychotherapeut zu verstehen. Dabei rückt er die für die Psyche wesentliche Wechselwirkung zwischen Denken und Fühlen in den Vordergrund.

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Die naive Betrachtung 21

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21 Die naive Betrachtung Allen ist klar, was eine Emotion ist. Wir alle haben im Laufe eines Tages welche. Wir sind uns dessen bewusst, weil uns die Emotion (egal welche) auf irgendeine Weise verändert. Sie holt uns aus dem Zustand heraus, in dem wir uns bis dahin befanden. Mit ihr geht also notwendigerweise eine Veränderung gegenüber dem bis dahin beste- henden Zustand einher. Unsere „Veränderung“ ist jedoch nicht mit der Definition von „Emo- tion“ gleichzusetzen; sie zeigt uns vielmehr eine mögliche Eigen- schaft dessen auf, was wir als „Emotion“ betrachten: dass es sich um eine Erfahrung handelt, etwas, von dem wir wissen, dass wir es er- leben (auch wenn es uns nicht immer ganz klar ist und wir sie nicht immer benennen können), sowohl während wir sie erleben als auch – in manchen Fällen – erst nachdem sie vorbei ist; außerdem etwas, das wir in der Lage sind vorwegzunehmen. Und schon gestalten sich die Dinge wieder erheblich komplizierter, weil wir feststellen, dass es gegenwärtige Emotionen gibt, vergangene Emotionen und Emotio- nen, die wir vorhersehen können; und dass die Erinnerung an vergangene Emotionen genauso wie die Vorwegnahme zukünftiger Emotionen wiederum eine Emotion begründen könnte. Und was wäre das für eine Emotion? Das hängt von der Emotion ab, die wir bereits erlebt haben oder die wir für die Zukunft erwarten. Die Erinnerung an eine schöne Emotion könnte man als Nostalgie bezeichnen (oder vielleicht auch...

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