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Über Gemütsregungen

Emotionen zwischen philosophischer Theorie und psychotherapeutischer Praxis

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Carlo Calanchini

Emotionen haben als menschliches Phänomen schon früh bei Philosophen und Dichtern grosses Interesse geweckt. Für manche Denker waren sie nur negativ, andere dagegen sahen sie als unentbehrlicher Bestandteil der menschlichen Seele. Seit der Antike versucht man, die primären Emotionen von abgeleiteten zu unterscheiden, um sie besser erforschen zu können. Jahrhundertelang galten Emotionen als der Vernunft entgegengesetzte, das logische Denken störende und aus den tiefsten und unreinsten Teilen der Seele hervortretende Kräfte. Der Autor betrachtet verschiedene Theorien über Emotionen sowohl aus einer geschichtlichen als auch aus einer moderneren wissenschaftlichen Perspektive. Darüber hinaus versucht er, Emotionen nicht nur im Lichte theoretischer Überlegungen zu sehen, sondern sie auch auf Grund seiner Erfahrungen als Arzt und Psychotherapeut zu verstehen. Dabei rückt er die für die Psyche wesentliche Wechselwirkung zwischen Denken und Fühlen in den Vordergrund.

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Die praktische Erfahrung 131

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131 Die praktische Erfahrung An diesem Punkt erlaube ich mir eine Interpolation ohne philosophi- schen Anspruch; denn Emotionen können nur in einem lebenden Orga- nismus stattfinden, und – abgesehen von Darwin – haben sich alle zi- tierten Autoren nur mit Emotionen beim Menschen beschäftigt, wobei sie auch auf persönliche Erfahrungen zurückgriffen. Die Beschrei- bung eines realen (aber nicht alltäglichen) Falles von „gelebten Emo- tionen“ kann – wenn sie so genau wie möglich erfolgt, ohne jedoch auf unnötige Details einzugehen – mit Recht als Verständnishilfe zum Problem betrachtet werden (dies gilt trotz des Bewusstseins der Gren- zen von „Fallstudien“ und der Tatsache, dass auch aus einer großen Anzahl ähnlich gelagerter Fälle – die zusammenzustellen nicht un- möglich wäre – keine Gewissheiten abgeleitet werden könnten, wie Hume und Popper lehren). Meine ersten Kontakte mit Sophia (ihr Name – sowie die Namen der anderen dramatis personae – ist natürlich fiktiv, wenn auch nicht zufällig gewählt) gehen auf eine Zeit zurück, in der sie etwa 30 Jahre alt war; sie zogen sich ein paar Monate hin und wurden dann von einer Reihe von Krankenhausaufenthalten unterbrochen, die mehrere Mo- nate andauerten. Sie lag einige Monate in einem Krankenhaus, in dem ich damals „Konsiliarius“ war und in dem später die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie geschaffen wurde, deren Chefarzt ich heute bin. Jahre nach unseren ersten Zusammentreffen (die bis dahin sehr unregelmäßig geblieben waren) verbrachte Sophia etwa ein Jahr in diesem Krankenhaus, und seitdem...

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