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Diskrete Präsenz

Zur Rezeption der Deutschschweizer Literatur in Rumänien

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Maria Trappen

Die Rezeption literarischer Werke jenseits der Grenzen des Sprachraums und des geopolitischen Raums, in denen sie entstanden sind, wird von einer Vielzahl literarischer und außerliterarischer Faktoren sowie von der Tätigkeit spezifischer Vermittlungsinstanzen beeinflusst. Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Deutschschweizer Literatur nach 1945 in Rumänien und beleuchtet deren kulturpolitischen und ökonomischen Hintergrund. Sie verfolgt dabei die Kontraste zwischen der Zeitspanne 1945–1989 und der Zeit von der Wende bis zur Gegenwart sowie die sich ändernden Auswahlkriterien in der Vermittlung der ausländischen beziehungsweise der Deutschschweizer Literatur. Die Tätigkeit einiger ausgewählter Vermittler (Verlage, Redakteure, Übersetzer, Literaturwissenschaftler) erfolgt aus einer literatursoziologischen Perspektive; in den Vordergrund rücken der Verwendungszusammenhang des Textes und Aspekte der literarischen Distribution. Die Rezeptionsschicksale einzelner Werke werden in Fallstudien nachgezeichnet, welche die Tragweite und Wirkungsweise literarischer und außerliterarischer Faktoren veranschaulichen.

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Kapitel 1 - Einleitung 7

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7Kapitel 1 Einleitung 91.1 Zielsetzung Die Überlegung, dass Dürrenmatts dramatisches Werk aufgrund der spezifischen politischen und kulturpolitischen Bedingungen in den so- zialistischen Ländern ein anderes Rezeptionsschicksal haben müsste als in den westlichen Ländern Europas oder in den Vereinigten Staaten, hat den Arche-Verlag Mitte der sechziger Jahre dazu veranlasst, eine Dokumentation der Rezeption von Dürrenmatts Theaterstücken in den damaligen Ostblockstaaten in Auftrag zu geben. Ein ähnliches Erkenntnisinteresse ließ mich die Frage stellen, in wel- chem Umfang und in welcher Weise die Schweizer Gegenwartslitera- tur im sozialistischen Rumänien rezipiert wurde. Zwangsläufig ergab sich daraus die Frage, ob die politische Wende von 1989 in Rumänien auch eine Wende in der Rezeption der Schweizer Gegenwartsliteratur erkennen lasse. Der Reiz der Fragestellung dieser Arbeit besteht in der präsupponierten Diskrepanz zwischen den rezipientenexternen Prädis- positionen im deutschsprachigen Raum gegenüber jenen eines Lesers östlich des »Eisernen Vorhangs« und in der Erkenntnis, dass internatio- nale Rezeption zusätzliche »Stationen der Textverarbeitung«1 impliziert. Angesichts der geringen kulturellen Kohäsion der vier Literaturen der Schweiz betrachte ich es als sinnvoll, die Untersuchung auf eine von ihnen  – die deutschsprachige  – zu begrenzen. Die Materialfül- le erforderte eine Eingrenzung und Gewichtung auch innerhalb des Rezeptions raumes Rumänien: Im Fokus stehen die rumänischsprachi- gen Rezeptionsdokumente.2 Die Ziele der vorliegenden Arbeit sind: t eine Übersicht zu bieten über die Werke deutschsprachiger Schweizer Gegen wartsautoren, die in Rumänien rezipiert wurden, und über die tex- tualisierten3 Reaktionen auf diese literarischen...

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