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Diskrete Präsenz

Zur Rezeption der Deutschschweizer Literatur in Rumänien

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Maria Trappen

Die Rezeption literarischer Werke jenseits der Grenzen des Sprachraums und des geopolitischen Raums, in denen sie entstanden sind, wird von einer Vielzahl literarischer und außerliterarischer Faktoren sowie von der Tätigkeit spezifischer Vermittlungsinstanzen beeinflusst. Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Deutschschweizer Literatur nach 1945 in Rumänien und beleuchtet deren kulturpolitischen und ökonomischen Hintergrund. Sie verfolgt dabei die Kontraste zwischen der Zeitspanne 1945–1989 und der Zeit von der Wende bis zur Gegenwart sowie die sich ändernden Auswahlkriterien in der Vermittlung der ausländischen beziehungsweise der Deutschschweizer Literatur. Die Tätigkeit einiger ausgewählter Vermittler (Verlage, Redakteure, Übersetzer, Literaturwissenschaftler) erfolgt aus einer literatursoziologischen Perspektive; in den Vordergrund rücken der Verwendungszusammenhang des Textes und Aspekte der literarischen Distribution. Die Rezeptionsschicksale einzelner Werke werden in Fallstudien nachgezeichnet, welche die Tragweite und Wirkungsweise literarischer und außerliterarischer Faktoren veranschaulichen.

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Kapitel 3 - Die Rezeption der zeitgenössischen Deutschschweizer Literatur vor dem Hintergrund der rumänischen Kulturpolitik 81

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81 Kapitel 3 Die Rezeption der zeitgenössischen Deutschschweizer Literatur vor dem Hintergrund der rumänischen Kulturpolitik 83 »Es ist nun einmal unser welthistorisches Pech, dass ausgerechnet die Russen den Kommunismus angenommen haben, die dazu gänzlich ungeeignet sind, und diese Katastrophe müssen wir überwinden.«1 Es liegt auf der Hand, dass dieser Satz aus der Ehe des Herrn Mississippi (UA 1952) im stalinistisch-kommunistischen Rumänien weder gedruckt noch auf der Bühne gesprochen werden durfte2 und dass die ganze Ge- stalt des Kommunistenführers Saint-Claude, der im Bordell geboren wird, Marx Das Kapital in der Manteltasche eines ermordeten Zuhälters findet und dadurch zum Kommunisten wird, den rumänischen Zen- surorganen damals, in den 1950er Jahren, als inakzeptabel erscheinen musste.3 Doch viele andere dramatische oder erzählende Texte von Friedrich Dürrenmatt wurden ab 1961 ins Rumänische übersetzt, in Buchform veröffentlicht und in allen Landesteilen aufgeführt. Die erfolgsreichs- ten Romane und Dramen Max Frischs wurden gleichfalls übersetzt, veröffentlicht und inszeniert, und auch in Rumänien wurden Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch in einem Atemzug als die wichtigsten Ver- treter der Deutschschweizer Literatur genannt. Ihre große Bekanntheit ist auch dem Umstand zu verdanken, dass einige ihrer Texte – Die Phy- siker von Dürrenmatt, Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch u. a. – hierzulande in die Deutschlehrbücher und in die Textsammlun- gen für den Literaturunterricht an deutschsprachigen Schulen aufge- nommen wurden und somit Pflichtlektüre waren. Ein erster Blick auf das Materialkorpus...

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