Show Less

Diskrete Präsenz

Zur Rezeption der Deutschschweizer Literatur in Rumänien

Series:

Maria Trappen

Die Rezeption literarischer Werke jenseits der Grenzen des Sprachraums und des geopolitischen Raums, in denen sie entstanden sind, wird von einer Vielzahl literarischer und außerliterarischer Faktoren sowie von der Tätigkeit spezifischer Vermittlungsinstanzen beeinflusst. Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Deutschschweizer Literatur nach 1945 in Rumänien und beleuchtet deren kulturpolitischen und ökonomischen Hintergrund. Sie verfolgt dabei die Kontraste zwischen der Zeitspanne 1945–1989 und der Zeit von der Wende bis zur Gegenwart sowie die sich ändernden Auswahlkriterien in der Vermittlung der ausländischen beziehungsweise der Deutschschweizer Literatur. Die Tätigkeit einiger ausgewählter Vermittler (Verlage, Redakteure, Übersetzer, Literaturwissenschaftler) erfolgt aus einer literatursoziologischen Perspektive; in den Vordergrund rücken der Verwendungszusammenhang des Textes und Aspekte der literarischen Distribution. Die Rezeptionsschicksale einzelner Werke werden in Fallstudien nachgezeichnet, welche die Tragweite und Wirkungsweise literarischer und außerliterarischer Faktoren veranschaulichen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Kapitel 4 - Die Rezeption der zeitgenössischen Deutschschweizer Literatur in Rumänien nach der Wende 245

Extract

245 Kapitel 4 Die Rezeption der zeitgenössischen Deutschschweizer Literatur in Rumänien nach der Wende 247 4.1 Veränderte Bedingungen der Buch- und Theaterproduktion Der Wegfall der politischen und ästhetischen Zensur nach 1989 löste eine Euphorie der Lektüre aus: Bis dahin verbotene Texte wurden nun in großen Auflagen gedruckt und sowohl in den Medien als auch im privaten Kreis intensiv kommentiert. Die Zahl der Verlage, der angebo- tenen Buchtitel und der Periodika explodierte. Das Angebot wurde um die »Schubladenliteratur« und die Werke der rumänischen Exilautoren erweitert, um ausländische Bücher also, die die Gräueltaten des Stalinismus oder jene der Sicherheitsdienste in den kommunistischen Staaten thematisierten, ferner um Biographien um- strittener Persönlichkeiten (General Antonescu, Stalin, König Mihai) und Tagebücher führender rumänischer Intellektueller. Die Buchpro- duktion antwortete so auf eine chronische Unterversorgung mit Infor- mationen im Bereich der Politik und Kultur während der kommunisti- schen Epoche, als solche Informationen meist als Gerüchte kursierten oder nur über die ausländischen Radiosender (zum Beispiel »Free Eu- rope« und »Voice of America«) zu beziehen waren. Ferner bediente der Buchmarkt die vor der Wende kaum befriedigte Nachfrage nach nicht-sozialistisch-realistischer Trivialliteratur. Aben- teuerromane, Kriminalromane, Liebesromane mit betont pornographi- schem Inhalt, anspruchslose Science Fiction und Kriegsromane über- fluteten den Buchmarkt, der nun nach marktwirtschaftlichen Kriterien funktionierte. Auch in den bis zur Wende ausgesparten Bereichen der Religion und Mystik, der Psychologie und vor allem Parapsychologie erschienen viele Titel. Die galoppierende Inflation erforderte niedrige Produktionskosten und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.