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Gründung und Anerkennung

Unternehmertum von Migrantinnen und Migranten

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Raphaela Hettlage

Das Thema Unternehmensgründung durch Zugewanderte fand in der Schweiz bisher wenig Beachtung. Migrantinnen und Migranten wurden vor allem im Rahmen der Gastarbeiterwanderung der Nachkriegszeit und der Asylzuwanderung untersucht, wobei in diesen Gruppen wenig potenzielle Unternehmensgründer und -gründerinnen vermutet wurden. Die vorliegende Arbeit untersucht diese bisher wenig beleuchtete Zugewandertengruppe. Zu diesem Zweck befragte die Autorin italienische, türkische, serbische und srilankesische Männer und Frauen der ersten und zweiten Generation aus verschiedenen Sparten wie Buchhandel, Kiosk, Take-Away, Reisebüro, Kosmetik, Kampfsport und andere mehr. Anhand von Netzwerkvergleichen und biographischen Falldarstellungen wird dargelegt, welche Motive die Zugewanderten – solche mit ausländischem Pass sowie Eingebügerte – haben, um die selbständige Erwerbstätigkeit anzustreben, welche Schwierigkeiten sie auf diesem Weg zu überwinden haben, und welche Hilfe sie wo und von wem einfordern können, um ihre unternehmerischen Ziele zu erreichen.

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Einführung 19

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19 Einführung Die selbstständige Erwerbstätigkeit von Personen ausländischer Her- kunft ist in der Schweiz bisher noch wenig untersucht worden. Ins- besondere die Lebenslagen und Erfahrungen von Selbstständig- erwerbenden mit Migrationshintergrund waren kaum Thema. In der wissenschaftlichen Literatur wird die ethnische Ökonomie zwar seit den 1970er-Jahren breit diskutiert. Die Diskussion ist jedoch zunächst auf die USA konzentriert (siehe u. a. Light 1972, Bonacich 1973, Wal- dinger et al. 1990a) und dehnt sich erst später auf Europa aus (Werbner 1984, Pallida 1992, Blaschke und Ersöz 1986, Goldberg und Sen 1997 und viele mehr). Obwohl die Schweiz (gleich wie die umliegenden Länder) von den Migrationsströmen durch die Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter profitiert hatte und sich viele der temporär angeworbe- nen Migrantinnen und Migranten fest niederliessen, war die Existenz- gründung der ausländischen Bevölkerung über lange Zeit kein Thema der hiesigen wissenschaftlichen Forschung. Dies mag u. a. daran lie- gen, dass die ausländischen Arbeitnehmenden „konjunkturelle Stoss- dämpfer“ waren und primär als Arbeitnehmende mit zeitlich begrenz- tem Aufenthalt angeworben wurden; eine selbstständige Erwerbstätigkeit war für sie prinzipiell nicht vorgesehen. Bis vor Kurzem war die Auf- nahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit Personen mit schweize- rischer Staatsbürgerschaft oder einer Niederlassungsbewilligung vor- behalten (zu den Veränderungen dieser Handhabung durch die in Kraft getretene Personenfreizügigkeit siehe Teil I, Kapitel 1.2). Erst 1999 untersuchte Etienne Piguet erstmals die Selbstständige Erwerbstätig- keit von Migrantinnen und Migranten in...

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