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Argumentative Strukturen in Sprichwörtern

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Sarah Hoffmann

Die Verwendung von Sprichwörtern in der argumentativen Rede gilt heute vielfach als «Phrasendrescherei». Dennoch spiegelt der Sprichwortschatz einer Sprachgemeinschaft zentrale argumentative Denkstrukturen wider, die im alltäglichen Sprachgebrauch Anwendung finden und nicht wegzudenken sind. Doch welche Argumentationsmuster sind in deutschsprachigen Sprichwörtern tatsächlich anzutreffen? Und welche spielen dabei eine übergeordnete Rolle? Diese Arbeit analysiert argumentative Strukturen von 319 deutschsprachigen Sprichwörtern und liefert eine fundierte Darstellung der repräsentierten Argumentationsmuster. Ausgehend von diesen Analysen wird auch der kritische Umgang mit sprichwörtlicher Argumentation anhand realer Verwendungsbeispiele erprobt. Zudem wird der wichtigen Frage nach dem Zusammenhang zwischen argumentativer Struktur und pragmatischer Funktion der Sprichwörter am Beispiel von Verwendungen in Zeitungstexten nachgegangen.

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4. Schlussmuster in Sprichwörtern 57

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57 4. Schlussmuster in Sprichwörtern Für die Zuordnung der Sprichwörter zu entsprechenden Argumenta- tionsmustern sind zunächst weitere Vorarbeiten zu leisten: Zum einen ist zu klären, welches die relevanten Eigenschaften des Sprichworts sind, die seine Einordnung in ein bestimmtes Schlussschema legiti- mieren. Zum anderen muss gefragt werden, welche Rolle ein Sprich- wort in einem bestimmten Schlussmuster erfüllt, also auf welche Weise es mit dem entsprechenden Schema verbunden ist. Und nicht zuletzt muss expliziert werden, welche Schlussmuster den Zuordnungen zu- grunde gelegt werden und wie ihre Struktur beschaffen ist. Es wurde bereits dargestellt, dass hinsichtlich der argumentativen Funktion von Sprichwörtern bisher vor allem ihre formale Eigen- schaft, als All-Satz formuliert zu sein, als Grund für die Eignung von Sprichwörtern für argumentative Rede genannt wurde. Allaussagen eignen sich als Prämisse eines deduktiven Schlusses nach dem Sche- ma: Alle Menschen sind sterblich. Aristoteles ist ein Mensch. Also ist Aristoteles sterblich. Die Überprüfung des Primärkorpus ergibt, dass jedoch nur eine Min- derzahl an Sprichwörtern tatsächlich All-Quantoren enthalten (vgl. auch Wirrer 2007, S. 176). Zu ihnen zählen beispielsweise Aller An- fang ist schwer, Aller guten Dinge sind drei, Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei oder Die Zeit heilt alle Wunden. Obwohl jedes dieser Sprichwörter sich als Prämisse eines oben genannten Schlusses eignet, ergibt eine entsprechende Rekonstruktion, dass die eigentliche argumentative Struktur des Sprichworts dadurch häufig nicht erfasst wird: 58 Aller Anfang ist schwer. Dies...

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