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Dissoziative Anfälle

Studie über ein hysterisches Symptom

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Matthias Schmutz

Die freudsche Hysterie gilt heute weithin als obsolet und die berühmten Fallgeschichten über die damaligen Hysterikerinnen werden gerne als Ausdruck einer zeitbedingten Überspanntheit interpretiert. Am Beispiel der dissoziativen Anfälle weist der Autor jedoch nach, dass die ehemaligen hysterischen Symptome – aktuell als Konversions- und dissoziative Störungen benannt – nach wie vor auftreten und eine große klinische Herausforderung darstellen. Die involvierten Disziplinen der Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie tun sich schwer mit Diagnose und Therapie. Historisch fundiert und gleichzeitig mit hohem Praxisbezug referiert der Autor die wichtigen theoretischen Entwicklungen aus Psychoanalyse und Psychosomatik sowie die aktuelle Forschungspraxis.
Die Prognose bei dissoziativen Anfällen ist vergleichsweise schlecht, die Rate sozialmedizinischer Komplikationen hoch. Eine empirische, prospektiv durchgeführte Untersuchung über verlaufsprädiktive Faktoren zeigt, dass psychodynamische und persönlichkeitspsychologische Merkmale einen bedeutsamen Erklärungswert aufweisen und für die Therapiegestaltung relevant sind.

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Vorwort 13

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13 Vorwort Hysterische Symptome, insbesondere hysterische Anfälle, sind seit der An tike bekannt. Sie haben das wissenschaftliche, kulturelle und per- sön liche Umfeld der Betreffenden stets zur Suche nach Erklärungen und Interpretationen angeregt. Diese Modelle wurden in erheblichem Um fang vom jeweiligen kulturellen Umfeld geprägt. Das vorliegende Buch nähert sich dem Phänomen der Hysterie aus unterschied lichen Richtungen: Es vermittelt einen historischen Überblick zur Theorie- ent wicklung der Hysterie und insbesondere hysterischer Anfälle. Zum an deren vermittelt es einen empirischen Zugangsweg. Dargestellt wer- den die Ergebnisse einer umfangreichen empirischen Studie, die den Ver lauf dissoziativer Anfälle mittels einer semiquantitativen Methodik (Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik, OPD) erfasste. Die Ope rationalisierte Psychodynamische Diagnostik zielt auf den Ein- zel fall, ermöglicht aber durch ein operationalisierendes Vorgehen eine quan titative Auswertung der Daten und somit auch eine empirisch ba- sierte Charakterisierung typischer Muster. Der Blick von unterschiedlichen Beobachtungspunkten aus und mit unterschiedlicher Distanz ist notwendig, um dem Phänomen der Hys terie gerecht werden zu können. Hierzu schrieb der französische Psychoanalytiker Lucien Israël: «Die Definition der Hysterie ist niemals gegeben worden und wird auch niemals … durch einen Arzt gege ben werden. Denn, was das Blick feld einengt und jede Definition ver hin dert, ist das Haften an star ren medi- zinischen Konzepten. Das soll nicht heißen, dass sich kein Arzt an der Definition der Hysterie versuchen dürfte, sondern nur, dass er sich zu- erst einmal von dem durch...

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