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Dissoziative Anfälle

Studie über ein hysterisches Symptom

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Matthias Schmutz

Die freudsche Hysterie gilt heute weithin als obsolet und die berühmten Fallgeschichten über die damaligen Hysterikerinnen werden gerne als Ausdruck einer zeitbedingten Überspanntheit interpretiert. Am Beispiel der dissoziativen Anfälle weist der Autor jedoch nach, dass die ehemaligen hysterischen Symptome – aktuell als Konversions- und dissoziative Störungen benannt – nach wie vor auftreten und eine große klinische Herausforderung darstellen. Die involvierten Disziplinen der Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie tun sich schwer mit Diagnose und Therapie. Historisch fundiert und gleichzeitig mit hohem Praxisbezug referiert der Autor die wichtigen theoretischen Entwicklungen aus Psychoanalyse und Psychosomatik sowie die aktuelle Forschungspraxis.
Die Prognose bei dissoziativen Anfällen ist vergleichsweise schlecht, die Rate sozialmedizinischer Komplikationen hoch. Eine empirische, prospektiv durchgeführte Untersuchung über verlaufsprädiktive Faktoren zeigt, dass psychodynamische und persönlichkeitspsychologische Merkmale einen bedeutsamen Erklärungswert aufweisen und für die Therapiegestaltung relevant sind.

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Einleitung 17

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17 Einleitung Die Hysterie zählt zu den ganz alten, schon in den frühesten schriftli- chen Zeugnissen der Medizin geschichte erwähnten Krankheiten. Ihre lange Geschichte ist geprägt von der Viel ge staltig keit der Erkrankung selbst, aber auch von ebenso vielfältigen und wechselhaften Ver suchen ihrer theoretischen Be mächtigung und praktischen Behandlung. Eine Reihe körperlicher Symptome werden von alters her als we- sentlicher Bestanteil der Hysterie gesehen. Dazu zählen insbesondere auch anfallsartig auftretende Störungen wie Er stickungsanfälle, Ohn- mach ten oder Konvulsionen. Die Hysterie hat im zeitgenössischen psychologisch-psychiatrischen Diskurs einen schwe ren Stand. Sie leidet – wenn man das so nennen darf – immer noch an den Folgen eines exzessi ven Übergebrauchs im 19. Jahrhundert und einer kraftvollen, gewissermaßen reaktionären Gegenbewegung im Verlaufe des 20. Jahrhunderts. Eine «Genesung» der Hysterie ist noch nicht in Sicht. Ein Blick in die wechselvolle Ge- schichte der Erkrankung zeigt jedoch, dass kein Anlass zur Sorge be- steht; Schwankungen aller Art haben bislang ihrer Langlebigkeit kei- nen Abbruch getan. Die Hysterie als nosologische Einheit ist (vorerst) ver schwunden, ihre persistierenden Bestandteile und Symptome sind neu en diagnostischen Entitäten zugeordnet und teilweise neu benannt worden. In diesem Kontext beschäftige ich mich in der vorliegenden Unter- su chung mit der paroxysmalen Symp tomatik der Hysterie oder eben in neuer Bennenung: mit dissoziativen An fällen. Anlass für die Untersuchung war der Umstand, im Rahmen mei- ner klinisch-psychologischen Tätigkeit am Schweizerischen Epilepsie- Zentrum h...

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