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Dissoziative Anfälle

Studie über ein hysterisches Symptom

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Matthias Schmutz

Die freudsche Hysterie gilt heute weithin als obsolet und die berühmten Fallgeschichten über die damaligen Hysterikerinnen werden gerne als Ausdruck einer zeitbedingten Überspanntheit interpretiert. Am Beispiel der dissoziativen Anfälle weist der Autor jedoch nach, dass die ehemaligen hysterischen Symptome – aktuell als Konversions- und dissoziative Störungen benannt – nach wie vor auftreten und eine große klinische Herausforderung darstellen. Die involvierten Disziplinen der Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie tun sich schwer mit Diagnose und Therapie. Historisch fundiert und gleichzeitig mit hohem Praxisbezug referiert der Autor die wichtigen theoretischen Entwicklungen aus Psychoanalyse und Psychosomatik sowie die aktuelle Forschungspraxis.
Die Prognose bei dissoziativen Anfällen ist vergleichsweise schlecht, die Rate sozialmedizinischer Komplikationen hoch. Eine empirische, prospektiv durchgeführte Untersuchung über verlaufsprädiktive Faktoren zeigt, dass psychodynamische und persönlichkeitspsychologische Merkmale einen bedeutsamen Erklärungswert aufweisen und für die Therapiegestaltung relevant sind.

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4 Untersuchung über Erkrankungsverlauf und Prognose bei dissoziativen Anfällen: Auswertung und Befunde 177

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177 4 Untersuchung über Erkrankungsverlauf und Prognose bei dissoziativen Anfällen: Auswertung und Befunde 4.1 Selektion des Studienkollektivs 4.1.1 Zur Auswahl des Studienkollektivs Im Zeitraum von Januar 2004 bis Januar 2008, in dem wir ProbandIn- nen für die Studie rekru tierten, wurden am Schweizerischen Epilepsie- Zentrum bei insgesamt 129 PatientInnen die Diagnose «dissoziative Anfälle» mit der ICD-10 Codierung F44.5 gestellt (in aller Regel zu- sammen mit noch weiteren psychiatrischen Diagnosen, jedoch ohne zusätzliche Epilepsiediagnose). Der Frauenanteil bei diesen 129 Pati- entIn nen betrug 75%. 58 von diesen 129 PatientInnen (= 45%) qualifizierten für eine Studien- teil nahme, indem sie die geforderten Einschlusskriterien erfüllten und gleichzeitig keines der definierten Merkmale für einen Studien aus- schluss aufwiesen. (vgl. Abb. 4). Abb. 4 Gruppe der qualifizierenden PatientInnen, n = 58 n Anteil F45 Anteil Frauen % per 58 % per 129 Studienkollektiv 50 3 / 50 41 / 50 86 39 Dropouts 2 1 / 2 2 / 2 Teinnahme abgel. 6 3 / 6 5 / 6 ∑ 58 7 / 58 48 / 58 100 45 F45 = PatientInnen mit zusätzlicher somatoformen Störung gemäß ICD-10, Kap. F45 178 6 von diesen 58 qualifizierenden PatientInnen (= 10%) lehnten eine Teil- nah me an der Studie ab. Die übrigen 52 wurden in die Studie aufge- nom men. 2 dieser 52 PatientInnen (= 4%) brachen die Studie ohne mit- geteilte Begründung ab, die übrigen 50 (mit einem Frauenanteil von 82%) be endeten die Studie regulär. 86%...

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