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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Roberto De Pol – Zu den deutschen Übersetzungen von Ferrante Pallavicinos Il Divortio celeste 343

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Zu den deutschen Übersetzungen von Ferrante Pallavicinos Il Divortio celeste Roberto De Pol (Genua) 1. Zu Leben und Werk Ferrante Pallavicino (1615–1644), von Benedetto Croce als „weniger als mittelmäßiger“ Dichter eingestuft,1 verdient, wenn nicht für sein Werk, so doch für sein Leben Beachtung. Als nachgeborener Sohn einer adligen Familie aus Parma2 wurde er zum Priesterstand bestimmt. Er verweilte einige Jahre in Venedig, wo er einen ziemlich liederlichen Lebenswandel führte. Aus Geldnot verfasste er zwi- schen 1636 und 1640 mehrere Romane, die ihn noch im frühen Alter be- rühmt machten. In einigen von diesen Romanen, wie z. B. La Taliclea (Venedig 1636; deutsche Übersetzung Die grossmüthige Prinzessin Taliclea, Frankfurt 1668), L’Ambasciatore invidiato (Venedig 1639) und Il Principe ermafrodito (Ve- nedig 1640) war eine scharfe antiabsolutistische Kritik spürbar: Wäre er ein deutscher Schriftsteller gewesen, so hätte man ihn früher wahrscheinlich der „gegenhöfischen Strömung“3 zugeordnet. Politische Satire oder gar Kritik an den Herrschern und an der Kirche wurden aber im Italien des 17. Jahrhunderts nicht geduldet. Mit der Chronik I successi del mondo dell’anno 1636 (Venedig 1638) zog sich Pallavicino den Missmut seines Landesherrn Odoardo Farnese und mit dem Roman La Pudicizia schernita (Venedig 1639) auch den Zorn der Jesuiten zu. Anfang 1640 musste er Italien verlassen: Er begleitete als Kaplan den General Otta- vio Piccolomini nach Deutschland. Hier erlebte er die Gräuel des Dreißig- jährigen Krieges: Ganz besonders die Hinrichtung eines französischen...

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