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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Stefanie Stockhorst – Wege und Techniken des Übersetzens im 18. Jahrhundert: Methodische Perspektiven der Aufklärungsforschung 443

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Wege und Techniken des Übersetzens im 18. Jahrhundert: Methodische Perspektiven der Aufklärungsforschung Stefanie Stockhorst (Potsdam) 1. Einleitung Dürfen die nationalen Ausprägungen der Aufklärung mittlerweile als so- wohl intensiv wie auch extensiv erforscht gelten, so gewinnt die Frage nach der kulturellen Dynamik von wechselseitigen Beeinflussungen zwischen den verschiedenen europäischen Diskurssystemen – anstelle einer bloß verglei- chenden Perspektive – zunehmend an wissenschaftlicher Aufmerksamkeit.1 Im langen 18. Jahrhundert spielten Übersetzungen als Mittel des interkultu- rellen Austausches eine immer wichtigere Rolle, da das Neulateinische als lingua franca der europäischen Intellektuellen nicht mehr nur in der Dich- tung, sondern bis zur Jahrhundertmitte auch in den Wissenschaften rapide an Bedeutung verlor. Bei der Genese einer gemeineuropäischen Aufklä- rungsbewegung fungierte das Medium der Übersetzung, so formulierte es Fania Oz-Salzberger in der gebotenen Deutlichkeit, als „crucial vehicle of diffusion“.2 Eine derart zentrale Stellung wuchs den Übersetzungen nicht etwa zu, weil sich die Gelehrten durch den Niedergang des Lateinischen als Univer- salsprache einer babylonischen Sprachverwirrung ausgeliefert gesehen hätten oder sie womöglich unfähig gewesen wären, die Arbeiten ihrer ausländi- schen Kollegen in deren jeweiliger Muttersprache zu lesen. Vielmehr waren es prinzipielle Erwägungen, welche den Ausschlag dafür gaben, zunehmend 1 Vgl. Fania Oz-Salzberger: The Enlightenment in Translation. Regional and European Aspects, S. 385–409, sowie Carla Hesse: Towards a New Topogra- phy of Enlightenment, S. 499–508, beide in: European Review of Histo- ry/Revue européenne d’histoire 13 (2006), H. 3 [Themenheft: Enlightenment and Communication: Regional Experiences...

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