Show Less

Die Poesie der Zeichensetzung

Studien zur Stilistik der Interpunktion

Series:

Edited By Alexander Nebrig and Carlos Spoerhase

Satzzeichen sind für Literatur konstitutiv, moderne Schriftlichkeit ohne sie undenkbar. Dennoch spielen die Zeichen, die zwischen den Wörtern stehen, in der literaturwissenschaftlichen Praxis nahezu keine Rolle. Von berühmten Beispielen wie Heinrich von Kleists Gedankenstrich in der «Marquise von O...» abgesehen, hat der virtuose Gebrauch von Satzzeichen, der sich bei großen Autoren der deutschen Literatur beobachten lässt, bisher keine angemessene stilistische Aufmerksamkeit gefunden.
Dem vorliegenden Band geht es um eine literatur- und kulturhistorische, aber auch stilistische Rekonstruktion der vielfältigen Formen und Funktionen der Satzzeichenverwendung und -wahrnehmung. Die Beiträge entwerfen eine differentielle Beschreibung der Verwendung von Satzzeichen in Bezugstexten unterschiedlicher literarischer Epochen, Strömungen und Autoren. Ergänzt werden die 16 Originalbeiträge durch drei klassische Studien der Interpunktionsstilistik von Theodor W. Adorno, Hans-Georg Gadamer und Jürgen Stenzel.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

ALEXANDER NEBRIG, CARLOS SPOERHASE Über den Aufbau und die Beiträge dieses Bandes 41

Extract

ALEXANDER NEBRIG, CARLOS SPOERHASE Über den Aufbau und die Beiträge dieses Bandes I. Aufbau Richard Galpins Punctuation Extraction von Becketts Endgame, das auf dem Umschlag dieses Bandes abgebildet ist, unterstreicht die visuelle Dimen- sion der Interpunktion. JÖRG TREMPLER situiert die Punctuation Extractions in seinem Beitrag, der diesem Überblick vorausgeht, in ihren kunsthis- torischen Traditionen. Galpin bringt die strukturierende Funktion der Satzzeichen in ein Bild, das auch für die Beschäftigung mit Literatur ei- nen gewissen heuristischen Wert hat, wie vor allem im Vergleich di- vergierender ‚Interpunktogramme‘ deutlich wird. Weniges erscheint reiz- voller, als sich ‚Interpunktogramme‘ zentraler Texte der deutschen Lite- ratur oder Philosophie vorzustellen (ein Aufsatz Friedrich Schlegels wird mehr Kommata aufweisen als ein Text Heideggers, der vornehmlich aus Hauptsätzen gebaut ist). Für die Erkenntnis der Physiognomik einzelner Schreibweisen ist dieser spielerisch kreative Zugang sicherlich ein idealer Einstieg, desgleichen für die Illustration der Literaturgeschichte der Interpunktion. Die Aufnahme der Texte von Hans-Georg Gadamer und Theodor W. Adorno in den Band rechtfertigt sich einmal durch deren Bekannt- heitsgrad sowie dadurch, dass sie Fragestellungen pointiert formulieren, die von unseren Studien wieder aufgegriffen werden. Zwei konträre Po- sitionen, mit der Interpunktion umzugehen, werden zudem erkennbar. Ist sie für Gadamer Lesehilfe und unwesentlich, so besitzt sie für Ador- no, der sie mit Verkehrssignalen vergleicht, sogar eine ideologiekritische Signifikanz. Obgleich Letztere die interessantere ist, was sich daran zeigt, dass viele Beiträge auf Adorno sowohl affirmativ als auch kritisch Bezug nehmen, ist Gadamers Position nicht weniger...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.