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Verdis Welten

Neuinterpretation der Werke im Spiegel der Tonarten

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Peter Gisi

Verdi bevorzugt C-Dur häufig für die Maskierten und Demaskierten, A-Dur für Autoritäten und B-Dur für erotische Hochgefühle; er porträtiert die Unschuld gerne in E-Dur und die Auseinandersetzungen von Bass und Baritongestalten in f-Moll/F-Dur. Ausgehend von solchen Auffälligkeiten, führt Peter Gisi die Leserschaft am roten Faden der zwölf Tonartenpaare durch das Gesamtwerk des Komponisten und vermittelt ungewohnte Einsichten in typische Verdi-Themen wie Urangst, Wut, Heimatliebe, Aussenseitertum, Vergänglichkeit, Entrückung. Bis anhin wenig Erforschtes – etwa die Symbolik von Feuer, Wasser, Kerker, Sturm – findet dabei gebührende Beachtung.
Das 2001 bis 2012 entstandene Buch ist eine Hommage zu Verdis 200. Geburtstag. Es kann auch als Opern- und Konzertführer benutzt werden und erweist sich «als wahres Füllhorn für alle ‘Kenner und Liebhaber’, aber auch für den spezialisierten Verdi-Forscher. Unser Wissen um bisher kaum erkannte Zusammenhänge wird durch die vorliegende Untersuchung auf ein völlig neues Niveau gehoben.» (Prof. Dr. Anselm Gerhard).

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Prolog 13

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13 Prolog 1. Die Tonartencharakteristik: Stiefkind der modernen (Verdi-)Forschung War für einen Komponisten des 19. Jahrhunderts noch jede Tonart mit einer bestimmten Charakteristik verbunden? Diese Frage hat die Musik- wissenschaftler bisher, vor allem was Giuseppe Verdi betrifft, nicht son- derlich beschäftigt. Den einen war das Thema vielleicht zu mühsam, den anderen zu unergiebig: Für jeden tonartlich erfassbaren Musikabschnitt stehen im temperierten System – in dem z. B. Cis-Dur mit Des-Dur enhar- monisch gleichgesetzt ist – bloss vierundzwanzig Varianten zur Verfü- gung, zwölf in Dur und zwölf in Moll. Der profunde Verdikenner Julian Budden misst der Tonartenwahl des italienischen Meisters nur in Aus- nahmefällen eine gewisse Bedeutung zu, etwa bei der Charakterisierung der unterschiedlichen Welten von Leonora und Azucena in Il trovatore.1 Er warnt sogar ausdrücklich vor der Gefahr „of attributing structural importance to Verdi’s key-schemes“.2 Budden begründet seine Ansicht vor allem damit, dass Verdi etliche Musiknummern für die Zweitfassun- gen seiner Opern um einen halben oder ganzen Ton transponiert habe, ohne sonst etwas Wesentliches an diesen Stücken zu ändern. Bei den be- treffenden Stücken handelt es sich um einige Nummern aus Jérusalem; ferner um zwei Duettabschnitte aus La traviata, zwei kurze Passagen aus Aroldo, eine Kanzone und eine Arie aus La forza del destino, eine Erzäh- lung aus dem Prolog von Simon Boccanegra, ein Duett aus Don Carlos sowie das Quartett aus Otello. Kann man diese nicht gerade häufigen Transpositionen – Verdi hat sie nur...

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