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Verdis Welten

Neuinterpretation der Werke im Spiegel der Tonarten

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Peter Gisi

Verdi bevorzugt C-Dur häufig für die Maskierten und Demaskierten, A-Dur für Autoritäten und B-Dur für erotische Hochgefühle; er porträtiert die Unschuld gerne in E-Dur und die Auseinandersetzungen von Bass und Baritongestalten in f-Moll/F-Dur. Ausgehend von solchen Auffälligkeiten, führt Peter Gisi die Leserschaft am roten Faden der zwölf Tonartenpaare durch das Gesamtwerk des Komponisten und vermittelt ungewohnte Einsichten in typische Verdi-Themen wie Urangst, Wut, Heimatliebe, Aussenseitertum, Vergänglichkeit, Entrückung. Bis anhin wenig Erforschtes – etwa die Symbolik von Feuer, Wasser, Kerker, Sturm – findet dabei gebührende Beachtung.
Das 2001 bis 2012 entstandene Buch ist eine Hommage zu Verdis 200. Geburtstag. Es kann auch als Opern- und Konzertführer benutzt werden und erweist sich «als wahres Füllhorn für alle ‘Kenner und Liebhaber’, aber auch für den spezialisierten Verdi-Forscher. Unser Wissen um bisher kaum erkannte Zusammenhänge wird durch die vorliegende Untersuchung auf ein völlig neues Niveau gehoben.» (Prof. Dr. Anselm Gerhard).

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Teil I c-Moll/C-Dur: Sich verbergen – sich öffnen 29

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29 Teil I c-Moll/C-Dur: sich verbergen – sich öffnen 1. Einleitung: Orientierungsversuche im Meer der Beispiele „Er ist ein sehr begabter Mensch, der die schwierigen Wege liebt, weil er die leichten nicht finden kann“, schreibt Verdi am 31. Juli 1863 an Clari- na Maffei.1 Diese Worte – sie sind auf Richard Wagner gemünzt – kön- nen als ein Bekenntnis Verdis interpretiert werden, in der Kunst die Din- ge nicht unnötig zu verkomplizieren und auch einfache Ausdrucksmittel nicht zu verschmähen, falls sie dienlich sind. Ob zu diesen einfachen Mit- teln auch der reichliche Gebrauch des vorzeichenlosen C-Dur gehört, das bei Verdi – und nicht nur bei ihm! – die am häufigsten eingesetzte Tonart ist? Mengenmässig schlägt C-Dur mit rund 4 ½ Stunden Musik innerhalb von Verdis Vertonungen alle andern Tonarten. Es ist z. B. fast doppelt so stark vertreten wie das für Orchesterinstrumente als ähnlich angenehm geltende D-Dur. Neben simplen Gründen wie Erleichterungen beim Auf- schreiben, beim Notenlesen und, für viele Instrumente, auch beim Musi- zieren muss es aber doch noch andere Anreize gegeben haben, C-Dur immer wieder zu bevorzugen. Für einen Komponisten von Vokalwerken sind da wohl in erster Li- nie die positiven Herausforderungen in wichtigen Bereichen einzelner Stimmgattungen zu nennen. Wie das g der Wahrsagerin Ulrica in Un bal- lo in maschera (s. Notenbeispiel 2) und das G des Hohepriesters Zacca- ria im Eröffnungsbild von Nabucco zeigen, kann dieser tiefe Ton auf der Dominante gegen Ende eines Alt- bzw. Basssolos dem Auftritt...

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