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Verdis Welten

Neuinterpretation der Werke im Spiegel der Tonarten

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Peter Gisi

Verdi bevorzugt C-Dur häufig für die Maskierten und Demaskierten, A-Dur für Autoritäten und B-Dur für erotische Hochgefühle; er porträtiert die Unschuld gerne in E-Dur und die Auseinandersetzungen von Bass und Baritongestalten in f-Moll/F-Dur. Ausgehend von solchen Auffälligkeiten, führt Peter Gisi die Leserschaft am roten Faden der zwölf Tonartenpaare durch das Gesamtwerk des Komponisten und vermittelt ungewohnte Einsichten in typische Verdi-Themen wie Urangst, Wut, Heimatliebe, Aussenseitertum, Vergänglichkeit, Entrückung. Bis anhin wenig Erforschtes – etwa die Symbolik von Feuer, Wasser, Kerker, Sturm – findet dabei gebührende Beachtung.
Das 2001 bis 2012 entstandene Buch ist eine Hommage zu Verdis 200. Geburtstag. Es kann auch als Opern- und Konzertführer benutzt werden und erweist sich «als wahres Füllhorn für alle ‘Kenner und Liebhaber’, aber auch für den spezialisierten Verdi-Forscher. Unser Wissen um bisher kaum erkannte Zusammenhänge wird durch die vorliegende Untersuchung auf ein völlig neues Niveau gehoben.» (Prof. Dr. Anselm Gerhard).

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Teil VII fis-Moll/Fis-Dur und Ges-Dur: Entrückt: die traurigen und die schönen Inseln457

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457 Teil VII fis-Moll/Fis-Dur und Ges-Dur: Entrückt: die traurigen und die schönen Inseln 1. Einleitung Vielleicht kennt Verdi, als er in den späten 1830er Jahren mit dem Kom- ponieren von Klavierliedern und Opern beginnt, von seiner Ausbildungs- zeit her einige der seltenen fis-Moll/Fis-Dur- oder Ges-Dur-Beispiele aus der spätbarocken oder klassischen Instrumentalmusik, etwa Das wohl temperierte Clavier von Bach oder Haydns sogenannte „Abschiedssym- phonie“ (fis-Moll) oder Beethovens Klaviersonate Nr. 24 (Fis-Dur). In Bühnenwerken seiner direkten Vorgänger findet er in diesen Tonarten aber kaum prägende Muster vor. Das schwelgerische Ges-Dur-Andante amoroso aus dem Liebesduett von Meyerbeers Erfolgsoper Les Hugue- nots (1836) ist Verdi zur Zeit der Arbeit an Nabucco noch unbekannt.1 Dass fis-Moll/Fis-Dur und Ges-Dur gerade auch in Italien gemieden wur- den, findet eine indirekte theoretische Bestätigung in Galeazzis schon mehrfach zitierter Schrift I principali caratteri dei Toni moderni (1796). Alle drei Tonarten sind mit keinem Wort erwähnt. Was in Bezug auf Na- bucco für den h-Moll/H-Dur-Gebrauch festgestellt wurde (s. Kapitel 1 von Teil VI), gilt auch für Fis-Dur: Sein Einsatz an exponierter Stelle – beim Chor der hebräischen Sklaven – bestätigt die Vorliebe des jungen Komponisten für unkonventionelle Mittel. Da dieser Chor von den Sän- gerinnen und Sängern auch in G-Dur oder F-Dur, ja sogar in As-Dur oder E-Dur, bewältigt werden könnte, haben beim ersten grossen Fis-Dur-Stück in Verdis Oeuvre keine stimmtechnischen Kriterien die Tonartenwahl beeinflusst. Vielmehr scheint ein musikpsychologischer Grund ausschlag- gebend gewesen...

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