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Exzentrische Moderne: Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

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Edited By Sibylle Schönborn

Die Beiträge dieses Bandes gehen aus der im Dezember 2011 vom «Max-Herrmann-Neiße-Institut» veranstalteten internationalen Tagung hervor. Sie verorten das vielseitige Werk Max Herrmann-Neißes im Kontext der literarischen Moderne, indem sie seine wechselnden Positionen und Engagements zwischen Ästhetizismus, Expressionismus, politischer Literatur, Neuer Sachlichkeit und Exilliteratur in den Blick nehmen. Im Nebeneinander von Nihilismus und Erlösungspathos, Großstadtbewusstsein und Provinzialität, Kosmopolitismus und Regionalismus entwerfen die einzelnen Beiträge das Gesicht einer in sich widersprüchlichen und heterogenen Moderne, deren Repräsentant der aus Schlesien stammende Autor in der Metropole Berlin und im Londoner Exil wurde. Neben gattungsgeschichtlichen Beiträgen zu den lyrischen Anfängen bis zur Exillyrik werden vor allem «kleinere» Gattungen wie der Brief und die Literaturkritik, performative Künste wie das Drama und das Kabarett und ihre Medien (Film) untersucht. Zudem werden Fragen nach Herrmann-Neißes unverwechselbarer Romanpoetik, seinem Beitrag zur theoretischen Auseinandersetzung über eine engagierte Literatur und seiner Beteiligung an den Diskursen über Körperlichkeit, Sexualität und Geschlecht diskutiert.

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Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen Der schlesische Dichter Max Herrmann-Neiße im Exil. Zur Edition seiner BriefeKlaus Völker 15

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Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen Der schlesische Dichter Max Herrmann-Neiße im Exil Zur Edition seiner Briefe Klaus Völker Seine schlesische Abstammung und Heimat hat der Neisser Dichter Max Herrmann-Neiße nie verleugnen wollen oder können; sie war die Bedin- gung seines Schreibens auch dann, wenn er sie - wie 1914 bei Kriegsaus- bruch oder in den Jahren der ‚Konsolidierung‘ nach dem Ersten Weltkrieg sowie zu Beginn der Nazibarbarei - als bedrückend, ihn belastend oder höchst beschämend empfand. Er floh der Enge seiner Heimatstadt und sehn- te sich zuweilen doch wieder in die Geborgenheit ihrer Winkel und Gassen zurück, und er genoss die Vertrautheit heimischer Speisen, Getränke, Stim- men und Geräusche. Am Ende seines Lebens, im Exil, verzehrte er sich in Gram über die verlorene Heimat. Der Triumph, den der Nationalsozialismus in Deutschland erlebte, die Schamlosigkeit, mit der sich so viele ihm einst nahe stehende Menschen oder bekannte Leute aus Presse, Verlagen und von der Bühne der Nazisippe andienten, bewirkte, dass nun alles Heimatliche auf ihn seltsam fremd und sogar feindlich wirkte. Was ihm bisher „gute Heimat war“1, musste er als Verlust beklagen, und umso mehr schien es ihm nötig, gerade jetzt, mit Dichtung das Glück heimatlicher Landschaft zu beschwören. In der Verlassenheit der Fremde besaß er bald nichts anderes mehr „als das Heimweh und ein Schuldgefühl“2. Dem besseren Selbst der Heimat, ihrer Schönheit und Würde verlieh er Ausdruck im Gedicht....

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