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Exzentrische Moderne: Max Herrmann-Neiße (1886-1941)

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Edited By Sibylle Schönborn

Die Beiträge dieses Bandes gehen aus der im Dezember 2011 vom «Max-Herrmann-Neiße-Institut» veranstalteten internationalen Tagung hervor. Sie verorten das vielseitige Werk Max Herrmann-Neißes im Kontext der literarischen Moderne, indem sie seine wechselnden Positionen und Engagements zwischen Ästhetizismus, Expressionismus, politischer Literatur, Neuer Sachlichkeit und Exilliteratur in den Blick nehmen. Im Nebeneinander von Nihilismus und Erlösungspathos, Großstadtbewusstsein und Provinzialität, Kosmopolitismus und Regionalismus entwerfen die einzelnen Beiträge das Gesicht einer in sich widersprüchlichen und heterogenen Moderne, deren Repräsentant der aus Schlesien stammende Autor in der Metropole Berlin und im Londoner Exil wurde. Neben gattungsgeschichtlichen Beiträgen zu den lyrischen Anfängen bis zur Exillyrik werden vor allem «kleinere» Gattungen wie der Brief und die Literaturkritik, performative Künste wie das Drama und das Kabarett und ihre Medien (Film) untersucht. Zudem werden Fragen nach Herrmann-Neißes unverwechselbarer Romanpoetik, seinem Beitrag zur theoretischen Auseinandersetzung über eine engagierte Literatur und seiner Beteiligung an den Diskursen über Körperlichkeit, Sexualität und Geschlecht diskutiert.

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La belle Albine, douze ans Sexualität und Geschlecht bei Max Herrmann-Neiße Sibylle Schönborn 251

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La belle Albine, douze ans Sexualität und Geschlecht bei Max Herrmann-Neiße Sibylle Schönborn Nach Michel Foucault wird unsere Sexualität nicht durch Verbote, Verleug- nung und Verschweigen1 codiert und eingegrenzt, sondern durch ein dichtes diskursives Netz „der Demographie, der Biologie, der Medizin, der Psychia- trie, der Psychologie, der Moral, der Pädagogik“2 bis hin zur Rechtswissen- schaft und Politik geregelt. Insbesondere Medizin, Psychiatrie und Rechts- wissenschaft produzieren um 1900 mit Verfahren der Klassifizierung, Dokumentation und Archivierung abweichende Sexualitäten, die als so ge- nannte Perversionen aus den zugelassenen Sexualpraktiken rechtlich, medi- zinisch und psychopathologisch ausgegrenzt werden. Foucault spricht von einer „Wucherung […] disparater Sexualitäten“3, die die neuen Wissen- schaften durch „Rituale des Geständnisses“4 den Individuen entreißen, um sie zu klassifizieren, ihre Akteure zu identifizieren und einer entsprechen- den Behandlung zu überstellen. Mit der wissenschaftlichen Diskursivierung der Sexualität wird das In- dividuum aber nicht nur über seine sexuellen Praktiken definiert, sondern zugleich auch geschlechtlich identifiziert. Die Kopplung von sex und gen- der, Sexualpraxis und sozialem Geschlecht oder Geschlechtsidentität, die Judith Butler5 theoretisch in den 1980er-Jahren beschrieben hat, findet in demselben Zeitraum und in denselben wissenschaftlichen Diskursen statt, denn die vielfältigen sexuellen Praktiken, die außerhalb der heterosexuellen Norm nun klassifiziert werden, erodieren zugleich die Vorstellungen von der einfachen binären Geschlechterordnung. So drängt z. B. der Sexualwis- senschaftler Magnus Hirschfeld auf eine Erweiterung der Geschlechterord- 1 Vgl. Michel Foucault: Sexualität und Wahrheit. Bd. 1: Der Wille zum Wissen....

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