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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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1. Einleitung 11

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1. Einleitung Der Tod als eine universale Erfahrung ist elementarer Bestandteil unse- res Lebens. Unterschiedlich sind aber die Einstellungen zum Tod. Jede Kultur hält eigene Rituale für die Auseinandersetzung mit dem Tod be- reit und verfügt über entsprechende Vorstellungen vom Tod, die „in öffentlichen symbolischen Äußerungen wie der Sprache, der Kunst, [und] den religiösen Begräbnisritualen der jeweiligen Kultur“ (Barloe- wen 2000: 31) zum Ausdruck kommen. Ein wichtiger Indikator für den jeweiligen Umgang mit dem Tod sind heute die Todesanzeigen. Sie beinhalten meist mehr als nur die Be- kanntgabe des Todes und bieten sich als kulturgeschichtliche Fundgrube an. (Bronisch 1984: 510) Todesanzeigen können Auskunft geben zu Fragen wie: Welche Bedeutung wird dem Tod zugewiesen? Welcher Stellenwert kommt der Trauer zu? Welche Bedeutung haben Todesan- zeigen für die Inserenten und Rezipienten? Durch Vergleich und Analyse von Todesanzeigen verschiedener Kulturen lassen sich zudem kulturelle Unterschiede in Bezug auf die Todesvorstellung bzw. ihre sprachliche Realisierung aufzeigen. Das kann zum besseren Verständnis für den gegenseitigen sprachlichen und nicht-sprachlichen Umgang mit dem Tod beitragen. Dies soll im Folgenden durch einen Vergleich von chinesi- schen und deutschen Todesanzeigen geschehen. Was den theoretischen Beitrag dieser Arbeit betrifft, versuche ich zunächst, ein dynamisches Analysemodell zur Beschreibung der Todes- anzeige als ein soziales Phänomen im interkulturellen Kontext zu entwi- ckeln. Dynamisch bedeutet, dass die Todesanzeige nicht als ein fertiges Produkt, sondern als ein interaktiver Prozess und ein kommunikatives Phänomen angesehen wird. Im Rahmen des kommunikativen Gattungs-...

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