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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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2. Das Textsortenkonzept zur Analyse der Todesanzeige 29

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2. Das Textsortenkonzept zur Analyse der Todesanzeige 2.1 Textlinguistik und Text 2.1.1 Text aus linguistischer Sicht In diesem Kapitel wird zunächst die geschichtliche Entwicklung des linguistischen Textbegriffes in ihren Grundzügen geschildert und darauf aufbauend eine für diese Arbeit maßgebende kommunikativ-funktionale Definition von Text festgelegt. Bei der Textlinguistik handelt sich um eine relativ junge Wissen- schaftsdisziplin, die sich in Deutschland seit Mitte der 1960er Jahre ent- wickelt hat. Mit der Ansicht, dass Texte und nicht Sätze die oberste lin- guistische Einheit bilden, vollzieht sich ein grundlegender Perspekti- venwechsel. Als Ziel der Textlinguistik gelten die theoretische Erfassung und Explizierung des Textbegriffs, die Abgrenzung und Klassifizierung von Texten und die Textanalyse. (Bußmann 1990: 779) Was die Kernbe- deutung des Textbegriffs anbelangt, haben sich in der Entwicklung der Textlinguistik hauptsächlich drei Forschungsansätze herausgebildet, welche in ihrer relativ kurzen Geschichte bedeutende Umbrüche bezüg- lich ihrer Textauffassung, Untersuchungsperspektiven, Fragestellungen und Methodik erlebt haben, nämlich der strukturell-grammatische, der pragmatisch-kommunikative und der kognitive Ansatz. (Heine- mann/Viehweger 1991; Brinker 2001; Adamzik 2004; Vater 1994; Gan- sel/Jürgen 2007; Heinemann/Heinemann 2002) Die drei Ansätze schließen sich gegenseitig nicht aus, stellen jedoch jeweils andere Fragestellungen und Untersuchungsmethoden in den Vor- dergrund. Bei dem ersten Ansatz wird die Textlinguistik als eine syntak- tisch-systemlinguistisch orientierte Linguistik des Regelsystems auf der Ebene Langue und Kompetenz verstanden. Harweg (1968) und Isenberg (1968, 1977) als Hauptvertreter der sprachsystemausgerichteten Textlin- guistik betrachten den Text als eine kohärente Folge von Substitutionen 30 und als...

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