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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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4. Das „ABR-Modell“ zur Beschreibung der Todesanzeige 83

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4. Das „ABR-Modell“ zur Beschreibung der Todesanzeige 4.1 Eine gattungsanalytische Annährung der Textsortenanalyse Obwohl die Konzepte der Textsortenanalyse und kommunikativen Gat- tungen jeweils eine unterschiedliche Herkunft und sich unterschiedlich entwickelt haben, ist besonders in den letzten 10 Jahren eine zunehmen- de Verschmelzung, Berührung und ein gegenseitiges Profitieren der bei- den Konzepte zu beobachten. So hat sich die Textsortenanalyse allmäh- lich von einer rein linguistischen Fachrichtung losgelöst und mehr und mehr zu einer soziologisch ausgerichteten, praxisorientierten „Textual Analysis for Social Research“ (Habscheid 2009: 12) entwickelt, bei der das soziale und kommunikative Paradigma in den Mittelpunkt rückt. (Günthner/Knoblauch 2000: 811–814) Schon in der früheren Phase der Textlinguistik ist eine soziolinguistische Zuwendung zur sozialen Reali- tät der Sprache bei Hartmann (1964, 1965), S. J. Schmidt (1971), Leib- fried (1970) und Dressler (1972) zu sehen. 44 Eine solche sozialwissen- schaftlich orientiere Textanalyse zielt wie die kommunikative Gattungs- analyse auch auf die Rekonstruktion der kommunikativen Vollzugswirk- lichkeit, des subjektiven Sinns und der sozialen Ordnung. (Habscheid 2009: 24) Mit einer solchen Orientierung an der kommunikativen Praxis werden auch die Handlungsdimension von Texten, ihr Stellenwert inner- 44 Günthner/Knoblauch haben darauf hingewiesen, dass die Textlinguistik von Anfang an sozialwissenschaftlich orientiert ist. Hartmann als einer der Begründer dieser in Deutschland Mitte der 1960er Jahre entstandenen Disziplin forderte schon damals, „sich den Konkretisierungen von Sprache zuzuwenden und plädierte für eine adä- quate Berücksichtigung der Sprachrealität, d.h. der tatsächlichen Sprachverwen- dung im kommunikativen und...

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