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Text und Kultur

Eine kommunikative Gattungsanalyse der deutschen und chinesischen Todesanzeigen

Qi Chen

Die vorliegende Arbeit versteht sich als Versuch in der kontrastiven Textsortenanalyse linguistischen Fragestellungen in Anlehnung an sozialwissenschaftliche Theorien, Konzepte und Ansätze nachzugehen. Im Rahmen des kommunikativen Gattungskonzepts und der sozialen Systemtheorie betrachtet Chen die Todesanzeige als Spiegel der Todes-, Erinnerungs- und Ritualkultur und als strukturelle Kopplung zwischen sozialen Systemen. Aufgrund einer empirischen Untersuchung werden Kulturalität, Sozialität, Interaktivität und Funktionalität der deutschen und chinesischen Todesanzeigen diskutiert. Neben der Ermittlung der kulturspezifischen Vertextungsmuster auf der Wort-, Satz und Textebene untersucht der Autor die sozialen Funktionen der Todesanzeige in Deutschland und China und geht auf deren kulturellen Hintergrund ein. Die erarbeiteten Erkenntnisse bieten nicht nur neuartige Einblicke in die soziokulturellen Besonderheiten der beiden Länder, sie erweitern mit ihrer sozialwissenschaftlichen Annährung auch den Blickwinkel der kontrastiven Textsortenforschung.

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5. Außenstruktur 93

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5. Außenstruktur Auf den theoretischen und methodischen Ausführungen des vorherge- henden Kapitels aufbauend soll im Rahmen dieses Kapitels die Außen- struktur der Todesanzeige untersucht werden. Im Mittelpunkt steht zu- nächst die Frage, wie die Todesanzeige bzw. Fugao wissenschaftlich zu bestimmen ist. Im Anschluss daran soll ein Überblick über die Entwick- lungsgeschichte der Todesanzeige von ihren Anfängen bis heute gegeben werden. In einem weiteren Schritt soll auf den sozialen Umgang mit Todesanzeige eingegangen werden, d.h. wie die Todesanzeige in der Gesellschaft rezipiert wird und schließlich wie sie im Kontext einer Zei- tung behandelt wird. Das Eingehen auf die historischen, sozialen und institutionellen Faktoren ist insbesondere deshalb von Relevanz, weil hierdurch ein Überblick über die bestimmenden Rahmenbedingungen gegeben werden kann, die Aufschlüsse über die strukturellen, funktiona- len, stilistischen, also binnenstrukturellen Besonderheiten in den beiden Kulturkreisen geben können. 5.1 Todesanzeige und Fugao Die Todesanzeige wird im deutschen Universalwörterbuch als „eine An- zeige, in der jmds. Tod mitgeteilt wird“ (Duden 1983: 1272), definiert. Sie wird in der Umgangssprache häufig undifferenziert auch Traueran- zeige genannt, wobei die beiden Begriffe im engeren linguistischen Sin- ne jedoch feine konnotative Unterschiede aufweisen. Sandig (1983) un- terscheidet sie aufgrund ihrer Prädikationen über die verstorbene Person. Während es bei der Todesanzeige hauptsächlich um die Bekanntgabe eines Todesfalls gehen soll, kommt es bei der Traueranzeige auf den 94 Ausdruck der Trauer der Hinterbliebenen an.47 (Vgl. Sandig 1983: 96) Sie geht davon aus, dass die Inserenten verschiedene performative Ver-...

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