Show Less

„Wir sind keine kleinen Dalai Lamas“

Lebenswelten von Tibeterinnen und Tibetern der zweiten Generation in Indien und der Schweiz

Series:

Tina Lauer

Das Heimatland ihrer Eltern und Grosseltern kennen in der Diaspora geborene Tibeterinnen und Tibeter meist nur aus Erzählungen. In den letzten Jahrzehnten wurde dem Leid der tibetischen Flüchtlinge sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und in Bildbänden, Filmen, Studien und Romanen dokumentiert. Die Nachkommen der Flüchtlinge fanden bisher aber nur wenig Beachtung. Doch gerade weil sie die Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Eltern und Grosseltern nicht teilen, ihre Sozialisation in einem anderen Land erfahren haben und sich dennoch stark mit dem Schicksal Tibets verbunden fühlen, drängen sich kulturwissenschaftliche Fragen auf – vor allem die nach ihrer Verbindung zur tibetischen Herkunft. Die vorliegende Studie befasst sich erstmals ausführlich mit Biografien von Tibeterinnen und Tibetern der zweiten Generation in Indien und in der Schweiz. Zentrale kulturelle Aspekte wie der Bezug zum Buddhismus, zur tibetischen Sprache oder zu Rezeptionen tibetischer Identität werden mit zahlreichen Zitaten, Bildern und Forschungsanekdoten eindrucksvoll dargestellt. Daneben finden auch die Sozialisation, politisches und soziales Engagement sowie Träume und Ziele dieser Generation Beachtung.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

II. Teil: Präsentation der Forschungsergebnisse 117

Extract

II. Teil Präsentation der Forschungsergebnisse 118 119 5. Das „Bildungsmantra“ des Dalai Lamas – Sozialisation von Tibetern der zweiten Generation While education has to prepare Tibetan boys and girls to cope with the realities of present-day life in the country of their residence and prepare them for vacation in life, the essential task of education is to preserve the national and cultural identity owing to being uprooted from our mother-land. (Dalai Lama)1 Mantraartig wiederholt der Dalai Lama seit seiner Flucht ins Exil immer wieder wie wichtig eine gute Ausbildung beziehungsweise Sozialisation nachfolgender Generationen von Tibetern im Exil sei (Dalai Lama 1982: 179).2 Mantraartig wiederholen Mitglieder der tibetischen Diaspora immer wieder seine Worte und versuchen sie umzusetzen. Besonders auf Tibeter der ersten Generation wirken die Aussagen des Dalai Lamas wie unge- schriebene Gesetze.3 Es ist daher nicht überraschend, dass die interview- ten Tibeter der zweiten Generation häufig darüber berichteten wie wich- tig ihren Eltern eine gute Ausbildung für sie gewesen sei.4 1 Tibet Office New York. Education policy in Exile. Abzurufen unter: . 20. April 2011. 2 Aufgrund diverser geführter Experteninterviews und gemäss teilnehmender Beob- achtung bei verschiedenen Anlässen in Indien und der Schweiz. Zum Beispiel: Audi- enz des tibetischen Jugendparlaments in Europa mit dem Dalai Lama am 10. April 2010 in Zürich. Dort betonte der Dalai Lama, wie wichtig eine gute Ausbildung für die jüngeren Generationen sei, da tibetische Experten in der Exilregierung und in einem künftigen Tibet gebraucht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.