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Carl Sternheim: Revolution der Sprache in Drama und Erzählwerk

Beiträge zur Polnisch-Deutschen Carl Sternheim-Tagung (Olsztyn, Dezember 2009)

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Edited By Claus Zittel and Ursula Paintner

Seit langem überfällig sind Neulektüren des Werkes von Carl Sternheim, die sowohl seine klassischen Texte unter veränderten Rezeptionsbedingungen neu erschließen als auch jenseits der ausgetretenen Pfade Werke in den Blick nehmen, die bislang kaum beachtet wurden. Insbesondere seine sträflich vernachlässigte Prosa und die wenigen Urteile, die seitens der Forschung über sie gefällt wurden, bedürfen einer grundlegenden Revision. Diesem Ziel war die im Jahre 2009 im Rahmen einer germanistischen Institutspartnerschaft zwischen der FU Berlin und der UWM Olsztyn in Olsztyn durchgeführte internationale Carl-Sternheim-Konferenz gewidmet. Dieser Band versammelt die Beiträge zu dieser Tagung und versucht jenseits der tradierten Deutungsfolien zu einer ästhetischen Neubewertung des Sternheimschen Gesamtwerks zu gelangen, die sich weniger auf weltanschauliche Kritik, sondern stärker auf Analysen der konkreten literarischen Darstellungsformen stützt. Sternheims Dramen- wie Prosawerk wird vor dem Hintergrund der ästhetischen Debatten seiner Zeit beleuchtet und in seinem avantgardistischen Anspruch ernst genommen. Hinzu kommen Studien zur Rezeptionsgeschichte und dem zeithistorischen Kontext.

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Rezeption 223

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Rezeption Der Weg in die Umnachtung – Carl Sternheim in Klaus Manns Mephisto Hans-Richard Brittnacher Am 3. Mai 1946 sitzt Klaus Mann im Zuschauerraum des Deutschen Thea- ters in Berlin und muss fassungslos zusehen, wie der nach kurzer Haft rasch entnazifizierte Gustaf Gründgens bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vom Publikum stürmisch gefeiert wird. Dieses Erlebnis dürfte den aus dem Exil heimgekehrten Klaus Mann zutiefst deprimiert haben,1 war es doch ein weite- rer von vielen Belegen für die Unbelehrbarkeit der Deutschen und ihre fast unheimliche Entschlossenheit, die Verantwortung für Krieg und Holocaust zu leugnen.2 Gründgens akklamierter Auftritt belehrte Klaus Mann über die Machtlosigkeit der Literatur und über die gemeine Renitenz der Wirklichkeit, die sich von literarischen Anklagen nicht beeindrucken lässt. Denn mit sei- nem Roman Mephisto, der 1936 erschien, hatte Klaus Mann alles getan, um eben diesen Gründgens, der jetzt oben auf der Bühne die Ovationen des Pub- likums entgegennahm, als Mitläufer des Nazi-Regimes zu diskreditieren. Auch wenn Klaus Mann im Nachsatz seines Romans beteuerte: „Alle Perso- nen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts“3, war doch unverkenn- bar, dass sich hinter dem Antihelden des Romans, dem virtuosen Schauspie- ler und erfolgreichen Intendanten Hendrik Höfgen, der in der schillernden Maske des abgründigen und charakterlich amorphen Mephisto die Rolle 1 Sein daraufhin verfasster Artikel Berlin’s Darling wurde erst postum veröffent- licht. Er findet sich unter dem Titel Der Liebling von Berlin in Klaus Mann: Der Liebling von...

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