Show Less

Soziale Sicherheit im globalen Dorf

Series:

Edited By Roland Sigg and Christina Behrendt

Es ist weitgehend anerkannt, dass mit Globalisierungsprozessen erhebliche Zwänge für die Entwicklung von Sozialleistungssystemen einhergehen. Die Internationalisierung der Wirtschaft hat einschneidende Konsequenzen für Arbeitsmärkte, die sich in vielen Ländern in der Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse sowie der Verschärfung von Einkommensungleichheit und sozialer Ausgrenzung manifestieren. Dieser Prozess wird begleitet von grundlegenden soziodemographischen Wandlungsprozessen, wie beispielsweise die Veränderung von Familienstrukturen, die Alterung der Bevölkerung und Migration. Während die Zunahme von Unsicherheit und sozialer Ausgrenzung den Bedarf nach sozialer Sicherheit erhöht, sehen Regierungen und Sozialversicherungsinstitutionen ihren finanziellen Handlungsspielraum in einer internationalisierten Wirtschaft eingeschränkt. Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor bemühen sich, ihre Rollen neu zu definieren und dazu beizutragen, die Verantwortlichkeiten zwischen Staat, Markt, Familien und Individuen neu zu verteilen.
Dieses Buch untersucht die in einer globalisierten Welt wachsenden Herausforderungen für die soziale Sicherheit und analysiert nationale Anpassungsstrategien. Welche Auswirkungen hat die Globalisierung auf Programme der sozialen Sicherheit? Welche Strategien wählen Länder, um mit diesen Herausforderungen umzugehen und sich an die Zwänge einer globalen Umwelt anzupassen? Welche Rolle spielen nationale Institutionen in der Gestaltung dieses Anpassungsprozesses? Entstehen in diesem Kontext neue Risiken, und wie kann mit diesen am besten umgegangen werden? Welchen Beitrag kann schließlich die Forschung leisten, um die politische Debatte über die Legitimität der sozialen Sicherheit im Kontext einer sich globalisierenden Welt zu erhellen?

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil III Migration

Extract

Kapitel 10 Diskriminierungsverbot, Freizügigkeit und soziale Bürgerrechte in Europa: Uneinheitliche Bestimmungen für Bürger von EU-Staaten und Asylbewerber DEBORAH MABBETT UND HELEN BOLDERSON In der umfangreichen Literatur zu den Auswirkungen der „Globa- lisierung“ auf den Wohlfahrtsstaat haben sich Migrationsstudien ganz anders als die Analyse der Auswirkungen des freien Handels mit Waren und Dienstleistungen und des freien Kapitalverkehrs entwickelt. In Migrationsanalysen stehen weniger wirtschaftliche als vielmehr politische Aspekte im Vordergrund: das Konzept der Staatsangehörigkeit oder die fortwährende Bedeutung des Natio- nalismus (siehe beispielsweise Bommes und Geddes, 2000). Die wirtschaftlichen Zwänge, die für die Analyse der Globalisierung so wichtig sind, haben für das Verständnis der Arbeitsmigration aus einer Reihe von Gründen eine geringere Relevanz. Im Gegensatz zum freieren Kapitalverkehr hat es keine allgemeine Liberalisie- rung der Arbeitsmigration gegeben. Die Staaten verbinden mit dem Zuzug von Arbeitskräften keine eindeutigen Vorteile, wäh- rend sie um Auslandskapital konkurrieren. Im Vergleich zum Ka- pitalverkehr wird die Arbeitsmigration stärker unter politischen Gesichtspunkten reguliert. Während der Kapitalverkehr sowohl ein politisches als auch ein wirtschaftliches Phänomen ist, laufen die politischen Prozesse zwischen Staaten, die die Grundlage der Globalisierung der Kapitalmärkte bilden, wesentlich weniger offen und transparent ab als diejenigen zur Arbeitsmigration. Trotzdem ist die Annahme berichtigt, dass die Migration be- trächtliche wirtschaftliche Folgen hat. Dafür spricht besonders, dass uneingeschränkte Migration sich negativ auf die Gewährung öffentlicher Sozialleistungen auswirken dürfte, weil bei geltender 288 Deborah Mabbett und Helen Bolderson...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.