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Soziale Sicherheit im globalen Dorf

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Edited By Roland Sigg and Christina Behrendt

Es ist weitgehend anerkannt, dass mit Globalisierungsprozessen erhebliche Zwänge für die Entwicklung von Sozialleistungssystemen einhergehen. Die Internationalisierung der Wirtschaft hat einschneidende Konsequenzen für Arbeitsmärkte, die sich in vielen Ländern in der Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse sowie der Verschärfung von Einkommensungleichheit und sozialer Ausgrenzung manifestieren. Dieser Prozess wird begleitet von grundlegenden soziodemographischen Wandlungsprozessen, wie beispielsweise die Veränderung von Familienstrukturen, die Alterung der Bevölkerung und Migration. Während die Zunahme von Unsicherheit und sozialer Ausgrenzung den Bedarf nach sozialer Sicherheit erhöht, sehen Regierungen und Sozialversicherungsinstitutionen ihren finanziellen Handlungsspielraum in einer internationalisierten Wirtschaft eingeschränkt. Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor bemühen sich, ihre Rollen neu zu definieren und dazu beizutragen, die Verantwortlichkeiten zwischen Staat, Markt, Familien und Individuen neu zu verteilen.
Dieses Buch untersucht die in einer globalisierten Welt wachsenden Herausforderungen für die soziale Sicherheit und analysiert nationale Anpassungsstrategien. Welche Auswirkungen hat die Globalisierung auf Programme der sozialen Sicherheit? Welche Strategien wählen Länder, um mit diesen Herausforderungen umzugehen und sich an die Zwänge einer globalen Umwelt anzupassen? Welche Rolle spielen nationale Institutionen in der Gestaltung dieses Anpassungsprozesses? Entstehen in diesem Kontext neue Risiken, und wie kann mit diesen am besten umgegangen werden? Welchen Beitrag kann schließlich die Forschung leisten, um die politische Debatte über die Legitimität der sozialen Sicherheit im Kontext einer sich globalisierenden Welt zu erhellen?

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Teil V Sozialer Zusammenhalt

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Kapitel 16 Das Wohlfahrtsfünfeck und soziales Risikomanagement CHRIS DE NEUBOURG Soziale Wohlfahrt wird als die Fähigkeit einer Volkswirtschaft defi- niert, die Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen und für die deren Wohlbefinden bedrohenden Risiken Sorge zu tragen. So- zial(schutz)politik muss als sämtliches Handeln öffentlicher Behör- den definiert werden, das zur Befriedigung dieser Bedürfnisse bei- trägt und Vorkehrungen gegen deren Gefährdung durch Risiken trifft. Gesellschaften haben verschiedene Möglichkeiten entwickelt, mit ihren Grundproblemen umzugehen (Befriedigung der Bedürf- nisse und Bewältigung der Risiken, die die Bedürfnisbefriedigung gefährden) und die Intervention öffentlicher Behörden ist nur ein, wenn auch wichtiges Element in diesem Prozess. Für Bedürfnisse und Risiken wurde immer vorgesorgt, selbst ohne eine bewusste So- zial(schutz)politik (oder eine enger definierte „Wohlfahrtsstaatspoli- tik“). Die fünf Hauptinstitutionen (das Wohlfahrtsfünfeck), auf die sich die Bedürfnisbefriedigung und die Risikovorsorge stützen, sind: Märkte, Familien, soziale Netze, Mitgliedschaftsinstitutionen und öffentliche Behörden. Jede davon hat unterschiedliche historische und geografische Erscheinungsformen (Namen), aber sie sind im Grun- de unabhängig von Zeit und Ort in allen Gesellschaften zu finden. Volkswirtschaften und Gesellschaften haben die fünf Grundelemen- te in verschiedenen Proportionen und Formaten gemischt, aber die fünf Elemente sind (fast) immer vorhanden. Der Beitrag untersucht in den folgenden Abschnitten die Merkmale des Wohlfahrtsfünfecks, indem er es der „vereinfachten Dyade“ (simplistic dyad), wie sie öko- nomistischem Gedankengut entlehnt ist, und dem „grundlegenden Dreieck“ (baseline triangle)...

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