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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Die Macht des Möglichen Leibniz, Grimmelshausen und die Entfaltung des Romans

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Friedrich Gaede (Freiburg) Für Janny in Dankbarkeit Der bekannteste philosophische Versuch, Entstehung und Prinzip des Romans zu erklären, ist die 1920 erschienene Theorie des Romans von Georg Lukacs. Unter den Autoren, die Lukacs diskutiert oder zumindest nennt, sind fast alle großen Namen der europäischen Romanszene. Man liest u.a. von Cervantes, Flaubert, Dostojewski, Proust und Joyce, soweit die nichtdeutsche Romange­ schichte betroffen ist. Unter den deutschen Namen findet man neben Goethe, Jean Paul und Thomas Mann sogar Gustav Freitag. Umso auffälliger ist des­ halb die Tatsache, daß Georg Lukacs Grimmelshausens Namen nicht erwähnt. Diese Situation ist kein Einzelfall. Auch Hans Blumenberg bezieht in seinem 1989 erschienenen Werk Höhlenausgänge zwar die großen deutschen Roman­ autoren ein und vergißt dabei nicht, Karl Immermann zu nennen, aber der N a­ me Grimmelshausen fehlt wieder. Das ist auch deswegen erstaunlich, weil die Inselhöhle des Simplicius ein hervorragendes Beispiel für Blumenbergs Höh­ lenforschung gewesen wäre und diese in jeder Hinsicht bestätigt hätte. 1 Auch die Romantheorie von Georg Lukacs wäre durch das Einbeziehen von Grim­ melshausens Werk bekräftigt und bereichert worden, denn es ist gerade die Hauptthese von Lukacs, die - wie zu zeigen sein wird - im Simplicissimus vorweggenommen ist. Durch Vergeßlichkeit oder schiere Ignoranz blieb somit auf philosophi­ scher Seite der Dichter Grimmelshausen dort außer Betracht, wo man ihn hätte nennen müssen. Entsprechendes widerfuhr umgekehrt dem 24 Jahre später geborenen Philosophen...

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