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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Formen der Narrheit in Cervantes' Don Quixote, Sorels Francion und Grimmelshausens Simplicissimus

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Jean Schillinger (Nancy) I In ihrer 1966 erschienenen, heute noch grundlegenden Studie Wesen und Wandlung der Narrenidee im Zeitalter des Humanismus legt Barbara Könne- ker dar, die Narrheit sei ein "Signum der Epoche" für die Zeit des Übergangs vom 15. zum 16. Jahrhundert, aber auch ein Phänomen, dessen Ausstrahlungen sich bis ins 17. Jahrhundert hinein verfolgen lassen. 1 Tatsächlich spielt die Gestalt des Narren im deutschen Barockroman, bei Moscherosch, Grimmels­ hausen, Reuter oder Weise eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es ist, als hät­ ten diese Autoren eine Faszination für diese Gestalt am Rande der Vernunft und der Gesellschaft empfunden. Jede Beschäftigung mit der Gestalt des Narren in literarischen Werken führt von vornherein zu einem Problem der Definition, da sich das Wort auf ein breites semantisches Feld bezieht.2 Im dritten Teil des Poetischen Trichters trifft Harsdoerffer zu den Begriffen "Narr/Narrheit" folgende Unterscheidun­ gen: Der Thorheit erste Stiiffen heist manchen Einfälle haben / der wider den gesun­ den Verstand lauffet / die zweite ist / in solchem gefasten Wahnwitzigen Ge­ danken beharren [...] das dritte ist wann man nicht nur den Verstand gekränkt sondern zuweilen gantz verlohren hat [...]. Jedoch ist diese Wahnwitz Grillen­ sucht / und Narrheit / von der Raserey / unterschieden / welche nicht nur den Verstand verfinstert / sondern an desselben Statt ein gantz Tyrannischer Unver­ stand erwiesen wird.3 Harsdoerffer betrachtet "Torheit" als gleichbedeutend mit "Narrheit" und steckt für letztere einen Raum ab, der von der Originalität...

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