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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Verhängnis und Fortuna als Konstruktionsprinzipien des hohen und des niederen Romans Zur Position des Simplicissimus Teutsch im Gattungssystem des Romans

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Rosmarie Zeller (Basel) I Dass der Simplicissimus Teutsch Gattimgsmerkmale des sogenannten roman comique aufweist ist seit der Untersuchung von Manfred Koschlig bekannt,! überraschender ist hingegen, dass Grimmelshausen sich offenbar intensiver auch mit der Gattung des hohen Romans auseinandergesetzt hat.2 Dass er sei­ nen Helden auf dem Höhe- und Wendepunkt seiner gesellschaftlichen Karriere in L. den höfisch-heroischen Roman Arcadia von Philip Sidney lesen lässt und eine Reihe von intertextuellen Bezügen herstellt, die über die bekannte Über­ nahme der Schlachtbeschreibung hinausgehen,3 ist ein deutlicher Hinweis dar­ auf, dass man es sich zu einfach macht, wenn man den Simplicissimus Teutsch als Vertreter des niederen Romans oder gar einfach als Schelmenroman auf­ fasst, wie das weithin üblich ist.4 Um die spezifische Leistung Grimmelshau­ sens herauszuarbeiten, soll im folgenden die Position des Simplicissimus im Gattungssystem des Romans der Frühen Neuzeit diskutiert werden. Die Schwierigkeiten, die Varianten des Romans der Frühen Neuzeit ad­ äquat zu erfassen, bestehen nicht zuletzt darin, dass der Roman bekanntlich erst mit Huets Traktat von 1670 überhaupt Gegenstand einer systematischen Beschreibung wurde, wobei Huet mehr die Genealogie des Romans als seine gattungsmäßigen Varianten interessierten, da er es auf eine Aufwertung der Gattung abgesehen hat.5 Um das poetologische System des Romans im 17. Jahrhundert zu rekonstruieren, sind wir mangels Poetiken auf die seltenen Ro­ man-Vorwörter und auf metaliterarische Aussagen in den Romanen angewie­ sen, wobei sich in Grimmelshausens Texten beide Arten von Aussagen eher selten finden. Generell kann man festhalten, dass die Reflexion zur...

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