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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Grimmelshausens Inselutopie

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Dieter Breuer (Aachen) Der Traum von der Wiedererlangung des Paradieses auf Erden ist in der frühen Neuzeit oft geträumt worden. Immanuel Kants Appell "Sapere aude! - Habe Mut, deinen Verstand zu gebrauchen!" faßt auf dem Höhepunkt der Französi­ schen Revolution dreihundert Jahre der Forschungs- und Aufklärungsbemü­ hungen um die Menschennatur zusammen, dreihundert Jahre der Hoffnung auf die positiven, kreativen Seiten der Menschennatur, mit ebendiesem Ziel: eine Lebensform zu finden, die die traditionelle biblische Vorstellung vom Paradies in die Wirklichkeit überführt, als eine Neuschöpfung menschlichen Forscher­ geistes jenseits aller engen Traditionen und Konventionen: eine Lebensform des Friedens, des Einklangs mit der Natur, des Glückes und Wohlstandes aller Menschen auf der Basis von Freiheit und Gleichheit. 1 Eine der Gattungen für derartige Versuche war die literarische Utopie.2 Der englische Humanist und Politiker Thomas Morus gab ihr 1516 das neuzeitliche Gesicht. Nach der von ihm erdachten Insel Utopia ist die Gattung benannt, an der von ihm erdachten staatlichen Organisationsform der Utopier orientieren sich die Autoren der Folgezeit, auch wenn sie andere Wege gehen, wie Caspar Stiblin in seiner Macaria (Basel 1555), Johann Valentin Andreae in seiner Christianopolis (Straßburg 1619), Denis Vairasse dAlais in den Sevarambes (1677, dt. 1689) oder Johann Gottfried Schnabel in der Insel Felsenburg (Nordhausen 1731). Die frühneuzeitlichen Utopien sind eine Reaktion auf die Entdeckung der Neuen Welt sowie der Inselwelt des Pazifischen und Indischen Ozeans, schließlich Australiens (1605), und sie begleiten kontrapunktisch die reale Staats- und Gesellschaftsordnung...

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