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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Kalavinka, Phönix und Grimmelshausens Monstrum

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Ma Wentao und Li Shu (Peking) Vor kurzem haben wir im Arthur M. Sachler-Museum für Kunst und Archäo­ logie der Peking-Universität ein Exponat gesehen, das im Wesentlichen Grimmelshausens Monstrum ähnelt: eine Statue ohne Geschlechtsmerkmale, die zwar den Kopf eines Menschen hat, aber Flügel und einen langen Schwanz besitzt, dazu wie das Monstrum Grimmelshausens Entenfüße. Der Direktor des Museums erklärte uns, es handle sich um eine Kalavinka-Darstellung. Im Sanskrit, der altindischen Sprache, hat dieser Name stets mit einem Vogel zu tun. Im klassischen buddhistischen Glauben ist Kalavinka ein großer kräftiger Vogel mit goldenen Flügeln und kann wunderschön singen. Der Kalavinka stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., von einem indischen Bildhauer ge­ schaffen. Der Kult wurde bald auch in China bekannt, nahm aber hier eine Än­ derung an, in buddhistischen Geist erhielt der Kalavinka einen menschlichen Oberkörper. In der Tang-Dynastie (618-907) erfuhr der Kult um diese Figur eine große Verbreitung. Die auffallende Ähnlichkeit der chinesischen Kalavinka-Figur mit Grim­ melshausens Monstrum bestärkt nochmals unsere Vermutung, dass Grimmels­ hausen, der große Romancier des deutschen Barock, in sein literarisches Schaffen unter anderem auch Anregungen aus China hat einfließen lassen. Im Simplicissimus gibt es mindestens vier Stellen, an denen direkt von China die Rede ist: In 1/5 heißt es: [...] wo nun aber weiters hinauß, sintemal mir die Wege und der Wald so wenig bekant waren / als die Straß durch das gefrorne Meer / hinder Nova Zembla biß gen...

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