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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Emblem der Autorschaft Das Titelkupfer des Abentheurlichen Simplicissimus im Kontext von Impresentheorie und Wunderzeichenliteratur

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Thomas Borgstedt (München) I Das berühmte Titelkupfer zu Grimmelshausens Roman D er Abenlheurliche Simplicissimus Teutsch zeigt eine Autorfigur und einen Akt der poetischen Autorschaft, was in der Forschung bislang erstaunlicherweise kaum themati­ siert wurde. Dargestellt ist ein monströses Fabelwesen mit Hörnern, Flügeln und einem Fischschwanz, das ein großes Buch präsentiert (Abb. 1). A uf dem Buch sind Symbole abgebildet, die sich mit Episoden des Romans in Verbin­ dung bringen lassen. Dem Stich ist nach Art eines Emblems ein Epigramm beigesetzt, das die körperlichen Merkmale des Fabelwesens auf den Lebens­ weg des Titelhelden und Erzählers des Romans bezieht. Zugleich sagt dieser Ich-Erzähler von sich, er habe seine Geschichte "in diß Buche gesetzt", damit sich der Leser "entferne der Thorheit und lebe in Rhue". Das angesprochene Thema der poetischen Autorschaft spielt für die zahlreichen kontroversen Deu­ tungen des Kupfers kaum eine Rolle, wohl weil man das Konzept der Autor­ schaft im Gefolge des linguistic turn und der poststrukturalistischen Theorie­ bildung generell ablehnte und im Bereich der historisch ausgerichteten Früh­ neuzeitforschung mit ihren sozial- und traditionsgeschichtlichen Ansätzen für unzeitgemäß hielt. Für Grimmelshausens Titelkupfer wurden stattdessen alle- gorisierende Deutungen abstrakt poetologischer und moraldidaktischer Art fortgeschrieben, ohne dass diese aber ein befriedigendes Verständnis der Dar­ stellung ermöglichen würden. Dies soll im folgenden Anlass sein, Bild und Text des Kupfers unter Hinzuziehung zeitgenössischer Kontexte der Impre­ sentheorie und der Wunderzeichenliteratur und im Blick auf tendenziell eher moderne...

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