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Der Hoheliedkommentar und die «Expositio de muliere forte» Brunos von Segni

Einführung, kritische Edition mit synoptischer Übersetzung und Kommentar

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Ruth Affolter-Nydegger

Der Hoheliedkommentar Brunos von Segni steht hermeneutisch weitgehend in der patristischen Tradition, die dem Mitstreiter Gregor VII. durch Beda und vor allem durch Haimo von Auxerre vermittelt wurde. Auch Brunos Hoheliedkommentar ist durchwegs heilsgeschichtlich-ekklesiologisch-pastoral ausgerichtet. Vorgeschaltet ist eine Auslegung der Schlusspartie der Sprüche Salomos, das «Lob der tüchtigen Frau», die hier wie die Hoheliedbraut als (Vor-) Bild für die Kirche gedeutet wird. Brunos Text ist pointiert-knapp gehalten und wirkt höchst lebendig; seine kirchenpolitischen und pastoraltheologischen Anliegen sind unübersehbar. Formal stellt der Kommentar ein Prosimetrum dar: Der Prosatext ist mit Gedichten teils lehrhaften, teils lyrischen Charakters durchsetzt.
Die Einführung dieser Studie enthält historische und hermeneutische Sachinformationen wie auch Ausführungen zu den exegetischen und stilistischen Eigenheiten des Textes. Dem lateinischen Text ist synoptisch eine deutsche Übersetzung beigegeben. Die textbegleitenden Kommentare führen Vergleichsstellen an und erläutern das exegetische Vorgehen. Synoptische Übersetzung und Erläuterungen eröffnen einem erweiterten Leserkreis den Zugang.

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1. Einführung

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Die vorliegende Publikation bietet eine erstmalige kritische Edition des Kommentars Brunos von Segni (geboren um die Mitte des 11. Jahr­ hunderts, gestorben 1123) zum Hohenlied, dem ein Kommentar zur „tüchtigen Frau“ (Proverbia 31,10–31) desselben Verfassers voran­ gestellt ist. Die beiden Kommentare sind in den für uns massgeblichen Textzeugen in dieser Abfolge kombiniert überliefert und weisen auch inhaltlich starke Beziehungen zueinander auf, wovon noch die Rede sein wird. Die folgende Einführung soll zunächst einige Eckdaten zum Entstehungsmilieu des Hohenliedes und eine grobe Skizze seiner Aus­ legungsgeschichte im Christentum geben, unter besonderer Berücksich­ tigung von Brunos direkter Vorlage, dem Hoheliedkommentar Haimos von Auxerre. Sodann soll der Werdegang Brunos wie auch die Eigenart seiner Exegese nachgezeichnet und anhand einiger Textbeispiele illustriert werden. In einem weiteren Kapitel stehen die spezifischen Merk male seines Hoheliedkommentars im Mittelpunkt, auch sie sollen anhand von Textausschnitten veranschaulicht werden. 1.1 Entstehungsgeschichtliche Anhaltspunkte und Kanonisierung des Hohenliedes Das Textkonglomerat, welches als Shir Hashirim („Lied der Lieder“; Intensitätsgenitiv mit superlativischer Bedeutung)1 in den Kanon der 1 Die im biblischen Kanon übliche Zuschreibung an Salomo ist im Sinne eines Patronats, nicht einer Verfasserschaft zu verstehen; das Hohelied wurde stets im Rahmen der Weisheitsdichtung tradiert, welche als Ganzes unter dem Patronat 10 hebräischen Bibel einging, weist unübersehbare Ähnlichkeiten mit alt­ ägyptischen Liebesliedern auf. Da diese Literaturgattung bis ins 6. Jahr­ hundert v. Chr. noch lebendig war und zwischen dem 8. und 6. Jahr­ hundert altorientalische Motive in Israel eine letzte Blütezeit...

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