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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Das große ABC für interkulturelle Leser

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Carmine Chiellino

Als Leser, Herausgeber und Forscher von interkultureller Literatur hat Carmine Chiellino im Laufe von drei Jahrzehnten eine elementare deutschsprachige Terminologie erarbeitet, um über seine Erfahrungen mit der interkulturellen Literatur in Westeuropa und in Nordamerika anders als in den geläufigen Diskursen zu denken und zu schreiben. Die Terminologie ist aus der schlichten Notwendigkeit hervorgegangen, Schreibmodelle und Strategien, eigene Motivationen und fremde Zwänge beim Sprachwechsel, interkulturelle Lebensläufe und Entstehungskontexte, Projekte und Fragestellungen, die in Werken von interkulturellen Schriftstellern aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen vorkommen, stichwortartig zu erfassen. Dieser Band stellt rund 100 Stichwörter vor, die durch Textbeispiele, Werkbeispiele, Autorenbeispiele oder Kontextbeispiele erläutert werden und den Leser unterstützen sollen, die betreffenden Werke interkulturell lesen zu können. Die Textbeispiele sind in der Originalsprache und mit der deutschen Übersetzung wiedergegeben.

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n, die ich bereits zu Beginn meiner Arbeit als interkultureller Forscher notiert habe. Dies hat den Grund, dass Sprachwechsler sich immer wieder ausdrücklich in ihren Werken zu ihren Meistern bekennen. Womit ich damals nicht rech­ nen konnte, ist die schlichte Tatsache, dass Jorge Semprun, einer der füh­ renden Schriftsteller der interkulturellen Literatur Europas in Adieu, vive clarté…, 1998, in Bezug auf „les poèmes de Baudelaire“ eines Tages schrei ben würde: J’étais séduit, c’est tout, heureux de l’avoir été: ça se passait dans le bonheur. Ich war verführt, das ist alles, und ich war froh darüber: es geschah im Glück.262 In Wirklichkeit geschieht die Verführung durch den Meister deswegen, weil der Sprachwechsler Zugehörigkeit zu der Landessprache des Meisters erstrebt, um sein Lebensprojekt verwirklichen zu können, so wie es Jorge Semprun seinem Leser mitteilt: Il était établi, en effet, que je serais écrivain, que je poursuivrais la tradition paternelle. Denn es stand fest, daß ich Schriftsteller sein würde, die väterliche Tradition fortsetzte.263 Sich zu einem Meister in der gewählten Sprache zu bekennen, stellt einen Anspruch an sich selbst dar, an dem der Schriftsteller sich aber später auch messen lassen muss. Vor allem stellt das Bekenntnis eine Loyalitätserklärung an die Sprache selbst dar, welcher der angehende Schriftsteller das eigene Leben anvertraut. 262 Jorge Semprun: Adieu, vive clarté… Paris: Éditions Gallimard, 1998, S. 135 – Unsre allzu kurzen Sommer. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag, 1999, S. 134....

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