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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Zehn Autorenporträts

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Edited By Carmine Chiellino and Szilvia Lengl

Von Sprachwechslern im Kontext der Einwanderung und des politischen Exils auf den Weg gebracht, hat die interkulturelle deutschsprachige Literatur im Laufe von mehr als fünf Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, deren Ausdruckspotential bei weitem noch nicht erschöpft ist. Ihre thematische und ästhetische Vielfalt ist primär auf die Herkunftssprachen und -kulturen sowie existentiellen Erfahrungen der daran beteiligten Sprachwechsler zurückzuführen, die sich auf die deutsche Sprache und Kultur als Werkzeug und Raum ihres Schreibens vorbehaltlos eingelassen haben. In dem vorliegenden Band werden folgende 10 Dichter und Romanciers exemplarisch vorgestellt: Cyrus Atabay, Zsuzsa Bánk, Artur Becker, Franco Biondi, Libuše Moníková, Terézia Mora, José F.A. Oliver, Yoko Tawada, Galsan Tschinag und Aglaja Veteranyi.

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Zsuzsa Bánk: Wenn Mütter rebellieren (Szilvia Lengl)

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Szilvia lengl Zsuzsa Bánk: Wenn Mütter rebellieren I. Einführungsworte Zsuzsa Bánks überraschender Debütroman Der Schwimmer begeisterte 2002 sowohl das Publikum als auch die Kritiker. Der Roman überraschte, weil sich die Autorin vorher noch mit keiner Veröffentlichung zu Wort ge- meldet hatte und somit literarisch als absolute Newcomerin galt. Der Schwimmer erzählt vom Schicksal eines Geschwisterpaars, des- sen Mutter sich im Jahre 1956 unvermittelt aus Ungarn in den Westen ab- setzt. Katalin verlässt nicht nur ihre beiden Kinder Kata und Isti, sondern auch den Ehemann Kálmán und die bedrückende Provinz des Landes. Das Leben der alleingelassenen Kinder wird zu einer nicht enden wollen- den Suche nach Zugehörigkeit und einem Lebensmodell, das ihnen hel- fen könnte, mit dem Verlust der Mutter zu leben. Da aber die zahlreichen Erwachsenen um die Kinder herum mit ihren eigenen existenziellen und emotionalen Problemen beschäftigt und bereits überfordert sind, werden Kata und Isti erneut alleine gelassen – was für den sensiblen Jungen fatale Folgen hat. Die Suche nach Zugehörigkeit steht gleichzeitig für die Revision einer strengen Monokulturalität, zu der das Land durch die so wjetfreundliche so- zialistische Regierung gezwungen ist. Der Roman rechnet mit dem Regime ab und verdeutlicht, dass Monokulturalität keine politi sche Alternative sein kann in einem geschichtlich und aufgrund der Vielzahl seiner Bevöl- kerungs gruppen interkulturell geprägten Land wie Ungarn. 60 II. Dialog der Sprachen Werke Der Schwimmer. Roman. Frankfurt a. M.: S. Fischer,...

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