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Denken im Gegensatz: Hugo Ball

Ikonen-Lehre und Psychoanalyse in der Literatur der Moderne

Daniela Paola Padularosa

Das Buch fokussiert die tiefe und dennoch problematische und gegensätzliche Beziehung der Ikonen-Lehre zur Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Das Auftreten von modernen Ikonen wird zum bedeutenden Ausdruck der Renaissance der Mystik in der Kunst, der Wissenschaft und Philosophie der Zeit, die sich oft als Debatte über die Sichtbarwerdung des Unsichtbaren artikuliert.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Autorin das Werk von Hugo Ball, einem der außergewöhnlichsten und raffiniertesten Interpreten der literarischen und künstlerischen Szene der Zeit. Ausgehend von Balls dadaistischen Lautwerken bis hin zu seinen zum Teil unveröffentlichten Artikeln zur Psychoanalyse und Religion vertritt das Buch die These, dass die Ikone Christi und die Figur des Heiligen der rote Faden in seinem Œuvre sind: Erinnert Balls kubistisches Kostüm an eine byzantinische Ikone, erscheinen in den Schizophrenen Sonetten andere heilige Gestalten in der Form «umgedrehter Ikonen». Sein faszinierendstes Buch, Das byzantinische Christentum, versucht schließlich durch das wiederkehrende Bild der Himmelsleiter ein neues Verhältnis zur Heiligkeit herzustellen und den Heiligen zum neuen Held der Moderne zu erheben.

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Einleitung

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Soyez béni, mon Dieu, qui donnez la souffrance. (Charles Baudelaire, Bénédiction) 1. „Mein Denken bewegt sich im Gegensatz. Ich wollte gerade sagen, dass alles Denken sich im Gegensatze bewegt“.1 Mit diesen Worten beschreibt Hugo Ball die Widersprüche, die sein Wesen, seine Weltanschauung, sowie die künstlerische und geistige Szene seiner Epoche bestimmen. Man kann in den Wandlungen seines Denkens die deutlichen Spuren einer radikalen philosophischen und künstlerischen Transformation erkennen, die das frühe 20. Jahrhundert prägt. Es ist schwer, sich Hugo Balls Leben und Werk zu nähern. Zum einen hat er zahlreiche Fragmente, Aphorismen und unvollständige Werke hinter- lassen; zum anderen schwankt sein Denken ständig zwischen unterschied- lichen, sogar gegensätzlichen Haltungen. Als Gründer des Zürcher Dadais- mus im Jahr 1916, als politischer Journalist, byzantinischer Hagiograph und Psychoanalytiker, wird er selbst zu einer Figur des Paradoxes. Dieses Schwanken manifestiert sich in seinen Werken, die den unterschiedlichen Phasen seiner geistigen Entwicklung, vom Dadaismus, über die revolutio- näre Zeitkritik bis zum Studium der Kirchenväter, des antiken Christentums und der psychoanalytischen Theorien, folgen. Mit seiner Bekehrung zum katholischen Glauben nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wendet sich Hugo Ball nur scheinbar von Nietzsches Philosophie, die sein Denken in den avantgardistischen Jahren bestimmt hat. Vielmehr nimmt er sie in seine christliche Weltvorstellung auf und verwertet sie dadurch unter einer neuen Perspektive. 1 Hugo Ball, Die Flucht aus der Zeit. Fuga Saeculi, Joseph Stocker Verlag, Luzern 1946, 20/6/1915, S. 28. 12...

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