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Denken im Gegensatz: Hugo Ball

Ikonen-Lehre und Psychoanalyse in der Literatur der Moderne

Daniela Paola Padularosa

Das Buch fokussiert die tiefe und dennoch problematische und gegensätzliche Beziehung der Ikonen-Lehre zur Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Das Auftreten von modernen Ikonen wird zum bedeutenden Ausdruck der Renaissance der Mystik in der Kunst, der Wissenschaft und Philosophie der Zeit, die sich oft als Debatte über die Sichtbarwerdung des Unsichtbaren artikuliert.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Autorin das Werk von Hugo Ball, einem der außergewöhnlichsten und raffiniertesten Interpreten der literarischen und künstlerischen Szene der Zeit. Ausgehend von Balls dadaistischen Lautwerken bis hin zu seinen zum Teil unveröffentlichten Artikeln zur Psychoanalyse und Religion vertritt das Buch die These, dass die Ikone Christi und die Figur des Heiligen der rote Faden in seinem Œuvre sind: Erinnert Balls kubistisches Kostüm an eine byzantinische Ikone, erscheinen in den Schizophrenen Sonetten andere heilige Gestalten in der Form «umgedrehter Ikonen». Sein faszinierendstes Buch, Das byzantinische Christentum, versucht schließlich durch das wiederkehrende Bild der Himmelsleiter ein neues Verhältnis zur Heiligkeit herzustellen und den Heiligen zum neuen Held der Moderne zu erheben.

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1. Hugo Ball und die Moderne

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Die Schlange, welche sich nicht häuten kann, geht zu Grunde. Ebenso die Geister, welche man verhindert, ihre Meinungen zu wechseln; sie hören auf, Geist zu sein. (Friedrich Nietzsche, Morgenröthe) 1.1 Zerstörung und Wiederaufbau: Die politische und künstlerische Krise im 20. Jahrhundert 1.1.1 Nietzsches Nihilismus und avantgardistischer Vitalismus L’idée du mal radical, qui passera dans la philosophie allemande, avec Böhme, avec Kant lui-même, avec Schelling, avec Schopenhauer, et l’idée du primat de la volonté, qui s’imposera à cette même philosophie, surtout avec Kant, Fichte, Schopenhauer, comme si le Pessimisme et le Volontarisme étaient métaphysiquement les deux faces complémentaires d’une même pensée.9 Mit diesem Exzerpt schließt Hugo Ball sein Tagebuch, nämlich sein zwei- tes, unveröffentlichtes und heimliches Tagebuch, das für die Flammen be- stimmt war. Das Tagebuch besteht aus Notizen, Reiseeindrücken, Lebens- ansichten und Exzerpten verschiedenen Ursprungs, die Ball vom Herbst 1921 bis zum Tag seines Todes gesammelt hat. Obschon der heutige Leser von den subjektiven Beschreibungen nur mit großen Schwierigkeiten Ab- stand nehmen kann und fürchtet, das intime Universum eines Menschen zu schänden, erweist sich das Tagebuch als eine Fundgrube für Balls Geistes- leben sowie ein getreues Bild der einflussreichsten Ideen seiner Zeit. In der oben zitierten Passage werden eindeutig die zwei Leitmotive der deutschen Philosophie gegenübergestellt, die das moderne deutsche und europäische Denken stark geprägt haben: Auf der einen Seite der Pessimismus, der 9...

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