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Denken im Gegensatz: Hugo Ball

Ikonen-Lehre und Psychoanalyse in der Literatur der Moderne

Daniela Paola Padularosa

Das Buch fokussiert die tiefe und dennoch problematische und gegensätzliche Beziehung der Ikonen-Lehre zur Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Das Auftreten von modernen Ikonen wird zum bedeutenden Ausdruck der Renaissance der Mystik in der Kunst, der Wissenschaft und Philosophie der Zeit, die sich oft als Debatte über die Sichtbarwerdung des Unsichtbaren artikuliert.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Autorin das Werk von Hugo Ball, einem der außergewöhnlichsten und raffiniertesten Interpreten der literarischen und künstlerischen Szene der Zeit. Ausgehend von Balls dadaistischen Lautwerken bis hin zu seinen zum Teil unveröffentlichten Artikeln zur Psychoanalyse und Religion vertritt das Buch die These, dass die Ikone Christi und die Figur des Heiligen der rote Faden in seinem Œuvre sind: Erinnert Balls kubistisches Kostüm an eine byzantinische Ikone, erscheinen in den Schizophrenen Sonetten andere heilige Gestalten in der Form «umgedrehter Ikonen». Sein faszinierendstes Buch, Das byzantinische Christentum, versucht schließlich durch das wiederkehrende Bild der Himmelsleiter ein neues Verhältnis zur Heiligkeit herzustellen und den Heiligen zum neuen Held der Moderne zu erheben.

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2. Die Reise nach Dresden

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Um den Kubismus zu verstehen, muss man vielleicht die Kirchenväter lesen. (Hugo Ball, Die Flucht aus der Zeit) 2.1 Hugo Ball zwischen Avantgarde und Tradition 2.1.1 Dadaismus und Zeitkrankheit Wie das 20. Jahrhundert sich durch eine verbreitete Wiedergeburt der Mys- tik innerhalb der unterschiedlichsten wissenschaftlichen und philosophi- schen Forschungsgebiete auszeichnet, so ist das mystische Element auch in Hugo Balls Werken tief verwurzelt und kann als ein roter Faden in seinem vielfältigen und mehrdeutigen Oeuvre gesehen werden. Bei Balls Herange- hensweise handelt es sich um eine Umdeutung und Neuinterpretation des mystisch-religiösen Erbes der deutschen Literatur und Kultur, das erst in ein magisch-phantastisches Moment und später in ein christlich-orthodoxes Element im eigentlichen Sinne verwandelt wird. Balls phantastischer Ro- man Tenderenda, der Phantast (1915–1920) führt vor Augen, dass in seiner frühen Prosa das mystische Element sich mit magischen Nuancen färbt, die Ball mit der deutschen Frühromantik in enge Verbindung bringen. Trotz dieses einheitlichen roten Fadens, der sich durch sein Werk zieht, entwickelt sich Balls poetisches Leben in verschiedenen Schaffensphasen, die etwa mit dem triadischen Erkenntnis- und Entwicklungsvorgang in der Dialektik übereinstimmen und der im 19. und frühen 20. Jahrhundert von zahlreichen Schriftstellern wiederentdeckt und von neuem erwogen wird. Das dreistufige System bietet das Grundgerüst für eine sehr verbreitete mystische Tendenz, die aus der dialektischen Methode ein neues und revo- lutionäres Denksystem entwickeln möchte. Das frühe 20. Jahrhundert kennzeichnet sich demnach durch einen Perspektivenwechsel, der zahlreiche philosophische und...

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