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Denken im Gegensatz: Hugo Ball

Ikonen-Lehre und Psychoanalyse in der Literatur der Moderne

Daniela Paola Padularosa

Das Buch fokussiert die tiefe und dennoch problematische und gegensätzliche Beziehung der Ikonen-Lehre zur Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Das Auftreten von modernen Ikonen wird zum bedeutenden Ausdruck der Renaissance der Mystik in der Kunst, der Wissenschaft und Philosophie der Zeit, die sich oft als Debatte über die Sichtbarwerdung des Unsichtbaren artikuliert.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Autorin das Werk von Hugo Ball, einem der außergewöhnlichsten und raffiniertesten Interpreten der literarischen und künstlerischen Szene der Zeit. Ausgehend von Balls dadaistischen Lautwerken bis hin zu seinen zum Teil unveröffentlichten Artikeln zur Psychoanalyse und Religion vertritt das Buch die These, dass die Ikone Christi und die Figur des Heiligen der rote Faden in seinem Œuvre sind: Erinnert Balls kubistisches Kostüm an eine byzantinische Ikone, erscheinen in den Schizophrenen Sonetten andere heilige Gestalten in der Form «umgedrehter Ikonen». Sein faszinierendstes Buch, Das byzantinische Christentum, versucht schließlich durch das wiederkehrende Bild der Himmelsleiter ein neues Verhältnis zur Heiligkeit herzustellen und den Heiligen zum neuen Held der Moderne zu erheben.

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3. Hugo Balls lyrisches Intermezzo: Über die Schizophrenen Sonette

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Parti de Saint Jean (le Verbe s’est fait chair), il a fait le chemin jusqu’à Nietzsche (Dieu est mort); il a, ainsi, transfiguré le motif de l’incarnation […] et pensé l’homme ‚incarné‘ comme un ‚solitaire‘ et un ‚fou‘ dont la tête, dit-il, ‚serait le lieu d’un combat inapaisable et si violent que tôt ou tard elle volerait en éclat‘. (Georges Didi-Huberman über Georges Batailles La folie de Nietzsche) 3.1 Die Zerrissenheit der Moderne und die Melancholie des Künstlers Im Winter 1923–1924 fertigt Ball seine Sieben Schizophrenen Sonette, die sich als eine Übergangspoetik von Balls dadaistischer und rebellischer Phase zur byzantinischen Kunsttheorie der 1920er Jahre begreifen lassen und die zur Entwurf einer orthodoxen ästhetischen Strategie führen werden. Balls geistige Wende begreift sich viel weniger als eine bloße Interessenänderung, als einen Perspektivenwechsel anhand eines neuen Sprachgebrauchs und ei- nes neuen Studiengebiets. Wenn das Hauptthema in Balls Schriften vor und nach der Wende dasselbe ist, ändert sich allerdings die Sprache und die li- terarische Strategie von Grund aus. Die Zerrissenheit der Moderne und ihre Folge aus dem fragmentarischen Charakter der modernen Kunst bleibt das Leitmotiv, das Balls Werke auszeichnet, und das in seinen Schizophrenen Sonetten deutlich ausgedrückt wird. Jedoch scheint jede Spur von dem posi- tiven Vitalismus und von dem idealistischen Elan der Dada-Zeit, welche die Verklärung von Hugo Ball im Cabaret Voltaire verursacht haben, in diesen Sonetten verschwunden zu sein. Wenn Balls dadaistische Lautgedichte ei- nen utopischen Ansatz enthalten, aus den gesellschaftlichen Tr...

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