Show Less

Denken im Gegensatz: Hugo Ball

Ikonen-Lehre und Psychoanalyse in der Literatur der Moderne

Daniela Paola Padularosa

Das Buch fokussiert die tiefe und dennoch problematische und gegensätzliche Beziehung der Ikonen-Lehre zur Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Das Auftreten von modernen Ikonen wird zum bedeutenden Ausdruck der Renaissance der Mystik in der Kunst, der Wissenschaft und Philosophie der Zeit, die sich oft als Debatte über die Sichtbarwerdung des Unsichtbaren artikuliert.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Autorin das Werk von Hugo Ball, einem der außergewöhnlichsten und raffiniertesten Interpreten der literarischen und künstlerischen Szene der Zeit. Ausgehend von Balls dadaistischen Lautwerken bis hin zu seinen zum Teil unveröffentlichten Artikeln zur Psychoanalyse und Religion vertritt das Buch die These, dass die Ikone Christi und die Figur des Heiligen der rote Faden in seinem Œuvre sind: Erinnert Balls kubistisches Kostüm an eine byzantinische Ikone, erscheinen in den Schizophrenen Sonetten andere heilige Gestalten in der Form «umgedrehter Ikonen». Sein faszinierendstes Buch, Das byzantinische Christentum, versucht schließlich durch das wiederkehrende Bild der Himmelsleiter ein neues Verhältnis zur Heiligkeit herzustellen und den Heiligen zum neuen Held der Moderne zu erheben.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Am Anfang war der Traum. Das Byzantinische Christentum

Extract

Geboren werden die Menschen allesamt als Erlöser und Könige. Aber die wenigsten vermögen sich zu behaupten, oder, wenn sie sich schon verlieren, sich wiederzufinden. Wer das Leben befreien will, muss die Träume befreien. (Hugo Ball, Die Flucht aus der Zeit) 4.1 Hugo Balls Byzanz-Buch 4.1.1 Das Byzantinische Christentum: Heiligenlehre und Psychoanalyse Obwohl es sich durch literarische Beweise schwer bezeugen lässt, hat sich Hugo Ball vermutlich schon vor 1923 mit psychoanalytischen Fragen ausei- nandergesetzt. Ein Indiz für diese Auseinandersetzung ist die Freundschaft mit Hermann Hesse, den Ball im Dezember 1920 kennenlernt. Nicht nur bie- tet Hesse ihm seine persönliche analytische Erfahrung als Patient, sondern er stellt ihm auch seine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung. Infolge seines Badener Kuraufenthalts schreibt Hesse gerade 1923 sein „Gesundbüchlein“ Kurgast, das Ball sogleich mit großem Interesse liest und kommentiert. In der Hesse-Biographie, die Ball im Winter 1926–1927 schreiben wird, ist der psychoanalytische Grundstoff das Leitmotiv des Werks. Wenn der Autor sich dieses Grundstoffes bedient, um das Leben und das Werk seines Freun- des zu deuten, ist es ebenfalls offensichtlich, dass er das psychoanalytische Element nun gründlich beherrscht, weil es schon seit einigen Jahren zu einer Konstante auch in seinem eigenen Denken geworden ist. Als Ball im Winter 1924 seine Reise nach Italien unternimmt, ist er sich bewusst, dass seine Studien, wenngleich auf die Auseinandersetzung mit der christlichen Mystik und mit dem Urchristentum gerichtet, ihn zur Vertiefung der psychoanalytischen Lehre führen werden. Die Reise...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.