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Geschichte(n) fiktional und faktual

Literarische und diskursive Erinnerungen im 20. und 21. Jahrhundert

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Edited By Barbara Beßlich and Ekkehard Felder

Die Beiträge des Bandes gehen auf eine Tagung in Budapest zurück, die im September 2014 stattgefunden hat. Gemeinsames, erkenntnisleitendes Thema ist die Frage nach «Sprachlichen Konstruktionen von Geschichte zwischen Faktualität und Fiktionalität» mit besonderem Blick auf Umbruchs- und Krisenzeiten. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge analysieren und interpretieren Texte vom frühen 20. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert, in denen künstlerische, politische, ideologische und gesellschaftliche Krisenzeiten thematisiert werden.
In den linguistischen Beiträgen geht es um gemeinsame Geschichte und ihre Konstruktion im Spiegel von Diskursen. Korpuslinguistische und diskursanalytische Ansätze stehen im Vordergrund. Von besonderer Bedeutung ist in zahlreichen Beiträgen das sogenannte Budapester Korpus. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ungarisches thematisches Textkorpus, das im Rahmen einer vom DAAD-geförderten Partnerschaft zwischen Budapest und Heidelberg entstand. Es zeigt die verschiedenen Perspektiven, die in beiden Länder zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte sprachlich konstruiert werden. An diesem Korpus werden diskursanalytische und grammatische Fragestellungen im Sprachvergleich untersucht.

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Geschichte(n) zwischen Faktualität und Fiktionalität: Überlegungen zur Objektivierung von Ereignisnarrationen (Ekkehard Felder)

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eKKehard felder Geschichte(n) zwischen Faktualität und Fiktionalität: Überlegungen zur Objektivierung von Ereignisnarrationen Abstract: In Anbetracht des Strebens nach Wahrheit und Objektivität in Erinnerungs- prozessen stellt der Beitrag die Frage, welche Formen des gesicherten Wissens es geben kann. Dazu werden zunächst die Eigenschaften des Erinnerungsmediums selbst, also der Sprache thematisiert und im Bild der semiotischen Gefangenschaft erläutert. An- schließend wird zwischen Daten und Fakten unterschieden und die Übergänge zwischen faktualem (tatsachenbasiertem) und fiktionalem (imaginiertem) Wissen modelliert. Erinnern speist sich aus objektivierter faktualer Tatsachengeschichte und fiktionalen subjektiven Einzelgeschichten. Narrationen gelten umso wirklichkeitsnäher, je öfter in- dividuelle Realitätskonstruktionen in Form von Einzelgeschichten Übereinstimmungen aufweisen und damit zu Geschichte werden bzw. diese erst generieren und letztlich zu ihrer Objektivierung beitragen. Geschichte wird also durch Erzählen gleicher oder ähn- licher Geschichten objektiviert. Wirklichkeit und Wahrheit sind also graduell zu denken. Keywords: Daten, Fakten, Wissen, Tatsache, semiotische Gefangenschaft, Faktualität, faktual, Fiktionalität, fiktional, Wirklichkeit, Realität, Geschichte, Geschichten Einleitende Überlegungen „Nein, gerade Tatsachen giebt es nicht, nur Interpretationen“ schreibt Friedrich Nietzsche in „Nachgelassene Fragmente Herbst 1885 – Herbst 1887“.1 Schon seit längerem ist die Klage zu vernehmen,2 der plurale Wahrheitsbegriff der Postmoderne (die sich mitunter auf Nietzsches Sentenz beruft) habe zur völ- ligen Beliebigkeit von Werten, zur Relativität unbezweifelbarer Gewissheiten und letztlich zur politisch-ideologischen Orientierungslosigkeit geführt. Wo es 1 Friedrich Nietzsche: Nachgelassene Fragmente Herbst 1885 – Herbst 1887. In: Nietzsche Werke. Kritische Ausgabe. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Mon-...

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