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Moskau – Das Dritte Rom?

Einflüsse der italienischen Renaissance auf die russische Kunst der Frühen Neuzeit. Reiseberichte als eine Quellengattung der Kunstgeschichte

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Anna Szech

Kaum ein anderes architektonisches Ensemble wirkt in seiner Gesamterscheinung russischer als der Gebäudekomplex des Moskauer Kreml. Interessanterweise wurden seine prominentesten Bauten nicht von einheimischen, sondern von italienischen Architekten errichtet, die der Einladung russischer Grossfürsten folgten und in den Jahren zwischen 1470 und 1520 in Moskau tätig waren. Anhand ausführlicher Analysen dieser und weiterer bedeutenden Sakralbauten Russlands wird der Frage nachgegangen, in welchem Umfang das kulturelle Selbstverständnis der Russen den Anschluss an die von Italien ausgehende und sich in ganz Europa ausbreitende Renaissancebewegung erlaubte.
Ein Kapitel über eine seltene Ikonenreihe, die bestimmten Kanons westeuropäischer Ikonographie unterliegt, gewährt einen Einblick in die zweite wichtige Gattung russischer Kunst dieser Zeit – die Ikonenmalerei.
Als Sekundärquelle werden einige, der westlichen Forschung bis jetzt kaum zugängliche Berichte russischer Reisenden des 15. und 16. Jahrhunderts über Florenz und Rom herangezogen, neu übersetzt und ausgewertet.
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VI. Eine Erzählung über die Gottesmutter von Loreto, verfasst im Jahre 1528 von Eremej Trusov, dem Gesandten von Vasilij III.

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VI.   Eine Erzählung über die Gottesmutter von Loreto, verfasst im Jahre 1528 von Eremej Trusov, dem Gesandten von Vasilij III.

1.   Die Reliquie von Loreto und der russische Reisebericht

Der dritte in dieser Arbeit zu untersuchende Reisebericht ist im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts entstanden, während der Reise einer russischen Gesandtschaft zum Hof des Papstes Clemens VII.505 Weder politisch noch historisch gesehen lässt sich die Bedeutung dieser diplomatischen Mission mit der neunzig Jahre zuvor stattgefundenen Reise der Russen nach Ferrara und Florenz vergleichen: Die russischen Gesandten, die Moskau im Winter 1526/27 verliessen, begleiteten einen päpstlichen Legaten nach Hause, der in die russische Hauptstadt wegen der Verhandlungen zwischen dem katholischen Litauen und dem orthodoxen Moskowien gekommen war, denn beide Seiten befanden sich zum damaligen Zeitpunkt im Krieg. Die Vertreter des Grossfürsten sollten dem Papst ihre Bemühungen in Fragen der Friedensschliessung persönlich beteuern. Ebenso führten sie ein Schriftstück von Vasilij III. (Regierungszeit 1505–1533) mit sich, in dem sich Vasilij zu einigen Fragen der kirchlichen Union äusserte. Die zu den Zeiten des Florentiner Konzils wesentlichste Frage nach der Vereinigung der orthodoxen und der katholischen Kirchen hatte zwar zu Beginn des 16. Jahrhunderts an ihrer ursprünglichen Schärfe und Dringlichkeit verloren. Rom liess in den Versuchen, die Russen zur Union zu drängen, aber nicht nach. Als ein gewichtiger Überredungsgrund diente dem Vatikan im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts die erneute Gefahr des „Ungläubigen“-Überfalls506 auf das...

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