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Moskau – Das Dritte Rom?

Einflüsse der italienischen Renaissance auf die russische Kunst der Frühen Neuzeit. Reiseberichte als eine Quellengattung der Kunstgeschichte

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Anna Szech

Kaum ein anderes architektonisches Ensemble wirkt in seiner Gesamterscheinung russischer als der Gebäudekomplex des Moskauer Kreml. Interessanterweise wurden seine prominentesten Bauten nicht von einheimischen, sondern von italienischen Architekten errichtet, die der Einladung russischer Grossfürsten folgten und in den Jahren zwischen 1470 und 1520 in Moskau tätig waren. Anhand ausführlicher Analysen dieser und weiterer bedeutenden Sakralbauten Russlands wird der Frage nachgegangen, in welchem Umfang das kulturelle Selbstverständnis der Russen den Anschluss an die von Italien ausgehende und sich in ganz Europa ausbreitende Renaissancebewegung erlaubte.
Ein Kapitel über eine seltene Ikonenreihe, die bestimmten Kanons westeuropäischer Ikonographie unterliegt, gewährt einen Einblick in die zweite wichtige Gattung russischer Kunst dieser Zeit – die Ikonenmalerei.
Als Sekundärquelle werden einige, der westlichen Forschung bis jetzt kaum zugängliche Berichte russischer Reisenden des 15. und 16. Jahrhunderts über Florenz und Rom herangezogen, neu übersetzt und ausgewertet.
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IX. Die Quellen

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IX.   Die Quellen

Die Reise zum Florentiner Konzil eines Unbekannten aus Suzdal’, 1438

Im Jahr 6945 am Tag der Geburt der heiligen Gottesmutter fuhr der Metropolit Isidor aus Moskau hinaus und kam am Tag der Kreuzeserhöhung in Tver’ an. Mit ihm zusammen fuhr Avraamij, der Bischof von Suzdal’. Der Fürst Boris von Tver’ mit seinen Bojaren empfing sie mit grossen Ehren, ebenso der Bischof Il’ja mit Kreuzen und mit allen Geistlichen und das ganze Volk dieser Stadt. Und er blieb in Tver’ neun Tage. Am Sonntag aber fuhr er hinaus und nächtigte in der Savva-Einsiedelei. Von Moskau bis Tver’ sind es 180 Werst609. Von Tver’ bis Toržok sind es 60 Werst, von Toržok bis Voloček sind es 70 Werst.610 Von Voloček fuhr er mit dem Nachen auf dem Fluss Msta bis Gross-Novgorod, die Pferde führte man am Ufer. Von Voloček bis Novgorod sind es 300 Werst auf dem Flussweg. Und weiter empfingen ihn der Erzbischof von Novgorod Evfimij und die Stadtälteren mit grossen Ehren. Er nächtigte im Jur’ev-Kloster und fuhr morgens in die Stadt, es war am 7. Oktober. Der Erzbischof empfing ihn mit Kreuzen, mit Priestern und Diakonen und mit dem ganzen Volk. Es gab ein grosses Gedränge. Er kam zum Stadttor, an dem es eine Kirche gab. Dort legte der Metropolit sein Ornat an, und dasselbe tat der Bischof Avraamij. Sie weihten das Wasser und besprengten das Volk. Dann ging der Metropolit...

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