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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

Series:

Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Die Chiffrenkunst des Baldanders – eine literarische Trithemius-Apologie Grimmelshausens?: Maximilian Gamer

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MAXIMILIAN GAMER (Zürich)

Die Chiffrenkunst des Baldanders – eine literarische Trithemius-Apologie Grimmelshausens?

[…] und weil ich ohne Ruhm zumelden/ ein ziemblicher Zifferant bin/ und mein geringste Kunst ist/ einen Brieff auff einen Faden: oder wohl gar auff ein Haar zuschreiben/ den wohl kein Mensch wird außsinnen oder errathen können/ zumahlen auch vor längsten wohl andere verborgene Schrifften außspeculirt, als die Steganographiæ Trythenio seyn mag.1

Die Leidenschaft des Simplicissimus für die Kunst der Zifferanten zeichnet ihn als Kind seiner Zeit aus. Grimmelshausen dokumentiert, vor allem im neunten Kapitel der Continuatio des Abentheurlichen Simplicissimus Teutsch, eindrücklich die frühneuzeitliche Faszination für Geheimschriften. Weitab der diplomatischen Praxis und der akademisehen Überlegungen zum Geheimen findet sich der Leser spielerisch mit dem Thema konfrontiert. An theoretischem Unterbau bietet der Autor lediglich den oben zitierten Satz, der Verweis auf Trithemius bleibt die einzige offensichtliche Spur zu einer Autorität. Trithemius’ explizite Nennung rührt nicht von ungefähr. Der vielseitig interessierte Benediktiner (1462–1516), Abt des Klosters in Sponheim (1483–1505) und später des Schottenklosters in Würzburg (1506–1516), trug mit seinen Arbeiten zur Geheimschrift wesentlich zum allgemeinen Interesse der res publica litteraria an geheimer Informationsübertragung bei.2 Der Einfluss seiner Traktate prägte für das 16. und 17. Jahrhundert den Diskurs über verborgene Information und die Vorstellung, die man sich davon, aber auch vom Geheimen allgemein, machte. ← 77 | 78 →

In diesem Beitrag werde ich die Baldanders-Episode, das neunte...

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