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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

Series:

Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Grimmelshausens Code. Die hintergründige Symbolik des Selbst: Friedrich Gaede

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FRIEDRICH GAEDE (Freiburg)

Grimmelshausens Code.

Die hintergründige Symbolik des Selbst

Als im 26. Kapitel des zweiten Buches vom Simplicissimus der in weiblicher Kleidung gefangene Simplicius vom Regiments-Schultheiß verhört wird, soll er eine Reihe von Einzelfragen nach seinem bisherigen Lebensweg beantworten. Simplicius erwidert jedoch, er müsse sein „gantzes Leben erzehlen/ damit die Umbständ seiner seltzamen Begegnussen alles recht erleutern“, andernfalls könne man aus den Antworten auf Einzelfragen „nichts eigentliches und gründliches fassen“.1 Mit dieser Aussage wird nicht nur auf die Selbstverständlichkeit gewiesen, dass sich alles Einzelne nur aus seinen Zusammenhängen begreifen lässt. Vielmehr rechtfertigt Grimmelshausen hier seine Rolle als ein Romanautor, der den Anspruch erhebt, mit seiner „Beschreibung deß Lebens" nicht besondere Ereignisse zu berichten, sondern etwas Allgemeines oder Grundlegendes auszusagen. Diesem Grundlegenden gilt auch der simplicianische Code, der aus einer von der Symbolik des Selbst getragenen Perspektive besteht und entscheidend zur Hintergründigkeit und komplexen Struktur des Simplicissimus beiträgt.

Grimmelshausen beginnt über das Schreiben zu schreiben, wie in der gleichzeitigen barocken Kunst der Maler beginnt, das Malen zu malen. Das Nachdenken über das Schreiben lässt erkennen, dass es ein endloses und darum scheiterndes Unterfangen wäre, ein ganzes Leben durch summarisches Schildern empirischer Einzelheiten erfassen zu wollen, weil

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